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Кафедра ділової іноземної мови




НазваКафедра ділової іноземної мови
Сторінка9/17
Дата17.04.2013
Розмір0.76 Mb.
ТипДокументи
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Hannes Hüttner


Hannes Hüttner ist ein deutscher Mediziner sowie Kinder- und Jugendbuchautor. Er wurde am 20. Juni 1932 in Zwickau geboren.

Hüttner studierte Journalistik und Außenwirtschaft in Leipzig und Berlin. Bis 1963 war er Chefreporter der Wochenpost. Ab 1965 studierte er Medizin und arbeitete bis 1980 auf dem Gebiet der Medizinsoziologie. Nach der Wende nahm er diese Tätigkeit wieder auf: Im Robert-Koch-Institut war er bis 1997 verantwortlich für das Fachgebiet Prävention für Kinder und Jugendliche. Hüttner lebt in Berlin-Kaulsdorf.

Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Hüttner durch seine mehr als 30 Kinderbücher, für die er unter anderem den Alex-Wedding-Preis für Kinderliteratur erhielt. Er schrieb u.a. "Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt."


^ Das Huhn Emma ist verschwunden


Auf der Bank vorm Haus sitzen zwei: Nele und Opa. Nele kuschelt sich in Opas alte Jacke. Ich glaube, sie gruselt sich ein bißchen. Es ist ja auch kein Wunder!

Vorhin war Nele aus dem Haus gehüpft. In ihrer Tasche hatte das Puppengeschirr gescheppert. Sie wollte zum alten Eichbaum. Sie mußte für sieben Puppen Mittag kochen.

Opa hatte an der Einfahrt zur Tenne gestanden und mit spitzem Mund gelockt: „Tuk, tuk, tuk!"

„Was machst du, Opa?" hatte Nele gefragt.

„Denk dir nur", hatte Opa geklagt, ,,heute früh laß' ich die Hühner aus dem Stall — da ist Emma nicht dabei!"

Emma ist ein kastanienbraunes Huhn. Opa nennt alle seine Hühner beim Namen.

„Vielleicht sitzt sie auf einem Nest?" hatte Nele gemeint. Hühner verstecken manchmal ihre Eier. Sie setzen sich drauf und wollen Küken ausbrüten.

„Ich hoff es auch", hatte Opa genickt. Nele aber war durch die Tenne hinaus auf die Koppel gewitscht. Dort steht ein alter Eichbaum. Seine Äste reichen bis auf die Erde. Das ist Neles Spielhaus. Hier wollte sie heute kochen. Aber was war das? Unter dem Eichbaum lag etwas. Nele war näher gegangen.

Da lagen Federn, viele Federn, im Kreis verstreut! Kastanienbraune Federn!

Nele hatte ihre Tasche fallen lassen und war zurückgerannt. ,,Opa", hatte sie gerufen, „Opa!"

Opa hatte noch in der Scheune herumgesucht.

„Unterm Eichbaum liegen Hühnerfedern!" hatte Nele berichtet. Dann hatte Opa sich die Bescherung angesehen. Im Sand war eine Spur eingedrückt. Sie zeigte fünf Dellen mit vier spitzen Nageln.

„Oje", hatte Opa gesagt, „das war Reineke, der Fuchs."

Und seitdem sitzen sie beide auf der Bank und denken nach.

„Meinst du, der Fuchs hat sie geholt?" fragt Nele.

„Das muß wohl so gewesen sein!" erwidert Opa.

„Aber hast du sie nicht in den Stall gesperrt?"

„Die Stalltür hab' ich wohl zugemacht", besinnt sich Opa. „Aber vielleicht war Emma noch nicht drin? Sie war nämlich ein Trödelhuhn, mußt du wissen. Gab es Körner, dann trödelte Emma so lange, bis die anderen alles aufgepickt hatten. Gab es zu trinken, dann war der Napf längst leer, bevor Emma kam.

Sie guckte, wo gar nichts zu gucken war. Die anderen suchten sich Würmer und Käfer. Aber Emma saß im Sand und besah sich eine Glasscherbe.

Und wenn die anderen abends sich ihr Plätzchen im Stall suchten, dann rannte Emma noch draußen umher und suchte etwas zu fressen, weil sie hungrig war.

So wird es wohl gewesen sein: Ich habe den Stall zugemacht, ohne zu merken, daß Emma noch nicht hineingeschlüpft war. Sicher hat sie noch nach einem Regenwurm zum Abendbrot gescharrt, weil sie nicht rechtzeitig satt geworden ist. Das war schon zu der Zeit, da Reinke auf leisen Sohlen durchs Revier schnürte.

Als es dann dunkel wurde, hat es Emma mit der Angst bekommen und ist zum Stall gelaufen. Vielleicht hat sie noch gerufen: ,Tuk tuuk — macht auf!' Aber wie sollten die, Hühner den Stall aufmachen? Und da wird der Fuchs schon nahebei gewesen sein und ist herangeschlichen..."

„Oh, oh, oh", seufzt Nele.

Und sie sitzen beide auf der Bank und denken nach.

„Aber wenn sie nun doch im Stall war?" fragt Nele.

„Das kann schon möglich sein", bedenkt sich Opa. „Dann war sie also drin, als ich zugeriegelt habe. Sie muß sich durchs Klappfenster gezwängt haben..."

„Und warum?" fragt Nele.

„Warum?" brummt Opa. „Sie wird nachmittags ihre Bekannte, die Wildente, getroffen haben. Sie haben sich natürlich die letzten Neuigkeiten erzählt. ,Hast du schon gehört?' hat die Ente geschnattert. ,Heute abend feiern wir Hochzeit im Schilf! Es wird Tauwürmer und Gründlinge geben. Zu schade, daß du da in deinem albernen Stall sitzen mußt!'

Und Emma war ja so neugierig. Wenn sie bloß eine Hupe gehört hat, schon kam sie gerannt, um nachzusehen, wer da wohl gefahren käme. Einmal hätte man sie beinahe überrollt! Gestern abend nun wird sie auf der Hühnerstange gesessen haben. Immer muß ich zu Hause bleiben, hat sie gedacht. Ich möchte auch mal zum Ententanz!"

„Sie kann ja nicht schwimmen!" sagt Nele.

„Glaubst du, das hat sie sich überlegt?" fragt Opa. ,,Sie hat das Schnattern im Schilf gehört und gedacht: Ach, was soll schon passieren? — Ich bin eingeladen, ich gehe hin. Da hat sie sich durch das Klappfenster gezwängt und ist losgelaufen. Hinterm Eichbaum aber hat der Fuchs gesessen. Dem lief das Wasser im Mund zusammen, als er das Geschrei im Schilf gehört hat.

Oh, wie würde mir jetzt eine junge Ente gut schmecken, hat er gedacht. Und da hörte er Schritte: tip — tip — tip. Das war Emma. Da duckte sich der Fuchs, und dann machte er einen Satz..."

„Ach, ach, ach", seufzt Nele. Und dann sitzen sie schweigend auf der Bank und überlegen sich die Sache.

Aber vielleicht kommt sie doch zurück?' sagt Nele schließlich. ,.Vielleicht hat sie der Fuchs gar nicht gefressen?" Opa kratzt sich am Kopf.

Möglich ist alles!" meint er. „Und wenn ich es bedenke — dumm war sie ja nicht, die Emma. Getrödelt hat sie, und neugierig war sie auch, aber sie hatte ihren Hühnerverstand. Vielleicht hat sie nur ein paar Federn lassen müssen und schläft jetzt den Schrecken aus!" „Und wie ist das zugegangen?" fragt Nele. „Ja, wie ist das zugegangen", sagt Opa.

„Emma wird durch die Wiese gelaufen sein. Plötzlich hat sie Schritte gehört. Sie war voller Angst und wollte losrennen — da hat der Fuchs sie schon in den Zähnen gehabt. ,Halt!' hat Emma geschrien. ,Halt, lieber Fuchs! Ich muß dir etwas ausrichten!'

,Beeil dich!' hat der Fuchs erwidert und sich die Lippen geleckt. ,Ich habe nämlich großen Appetit auf dich!'

„Lieber Fuchs“, hat Emma gesagt, ,mich haben die Hühner mit einer Botschaft zu dir geschickt. Wir sind mit unserem Hahn nicht mehr zufrieden. Er ist eingebildet und dumm, wir aber wollen einen gescheiten Herrn auf dem Hühnerhof, einen, der so klug ist wie du, lieber Fuchs! Du hast auch einen schöneren Schwanz als unser Hahn. Außerdem besitzt du vier Beine und unser Hahn nur zwei. Kurzum, wir Hühner wollen, daß du unser König bist!'

,Soso', hat der Fuchs gesagt und bei sich gedacht: Das wäre nicht übel, alter Freund, da könntest du dir jeden Tag in Ruhe einen fetten Braten aussuchen.

,Alle Hühner haben sich schon versammelt', hat Emma weiter erzahlt. ,Sie warten auf der Insel im Teich auf dich. Auch die Enten sind geladen. Hörst du nicht das Geschrei? Sie feiern schon, weil sie sich freuen, daß du unser neuer König wirst!'

Der eitle Fuchs hat bei sich gedacht: deshalb der Lärm! Jetzt verstehe ich! Das wird heute noch Entenbraten geben! Und er hat gesagt: ,Nun gut, ich will künftig euer König sein. Jetzt wollen wir aber das Fest besuchen!' ,Komm nur mit!' hat Emma gesagt und ist zum Schilf hinuntergegangen. ,He', hat der Fuchs gerufen, ,ich kann aber unmöglich bis zur Insel schwimmen. Das ist mir zu weit!'

,Laß mich nur machen', hat Emma erwidert. Am Schilf hat sie sich mit den Enten besprochen.

,Sie bauen dir ein Floß!' hat Emma dem Fuchs erklärt. Und tatsächlich — da kamen die Wildenten schon mit einem Floß aus Schilfhalmen geschwommen. Der Fuchs sprang darauf, Emma aber blieb am Ufer zurück.

Als die Enten den Fuchs mitsamt dem Floß auf den Teich hinausgezogen hatten, machten sie kehrt und schwammen ans Ufer zurück.

,Warum laßt ihr mich allein?' hat der Fuchs gerufen. Unsere Emma aber hat ihm vom Ufer aus geantwortet: ,Du bist so klug, lieber Fuchs, viel klüger als jedes Huhn. Du wirst schon wissen, wie du wieder an Land kommst. Du hast einen so schönen Schwanz, damit kannst du steuern. Und du hast ja vier Beine, nicht nur zwei, wie wir Hühner, damit kannst du rudern!'

Dann hat sie sich ein Versteck gesucht und ist schlafen gegangen. Der Fuchs aber ist die ganze Nacht auf dem Teich umhergepaddelt, und wenn er nicht gelandet ist, dann schwimmt er heute noch draußen!"

Nele ist froh.

„Wenn Emma ausgeschlafen hat", sagt sie, ,,dann kommt sie zurück, nicht wahr?"

„Wenn sich alles so zugetragen hat", meint Opa, „dann kommt Emma gewiß zurück."


Fragen zum Text


1. Welcher Hergang der Geschichte erscheint Ihnen am wahrscheinlichsten ?


2. Welche Charaktereigenschaft ist dem Fuchs zum Verhängnis geworden?


3. Welchen Einfluß hat der Opa auf Nele?





Wortschatz zum Text

Aufgaben zum Text

1. Bereiten Sie den Lebenslauf von Hannes Hüttner in Tabellenform vor.

2. Unterteilen Sie die Erzählung in einige Abschnitte!

3. Geben Sie von jedem Abschnitt eine knappe Inhaltsangabe!

4. Charakterisieren Sie die Haupthelden, Ort und Zeit der Handlung.

5. Nennen Sie die stilistischen Besonderheiten des Werkes.

6. Übersetzen Sie einen Abschnitt des Textes ins Ukrainisch.

Schreibprojekt

Welche Geschichte würden Sie Nele erzählen,wenn das Huhn Emma nicht zurückkommt? Schreiben Sie ihre eigene Geschichte.


Fragen für Selbstarbeit

- Welche geselschaftliche Erscheinungen und Probleme untersucht Hannes Hüttner in seinem Werk? Was ist seine Hauptidee?

- Welche Rolle spielen die stylistischen Merkmale und welche sind die führenden?

- Was könnte Hannes Hüttner in seiner Novelle zeigen wollen?

- Was denken Sie selbst zu den Besonderheiten des Werkes?


^ Claus und Wera Küchenmeister

Claus Küchenmeister, geboren am 7. September 1930 in Berlin. Er ist der Sohn des Drehers Walter Küchenmeister und seiner Frau Annie. Sein Vater, später Redakteur beim Ruhr-Echo, wird 1943 als Mitglied der antifaschistischen Widerstandsorganisation "Rote Kapelle" hingerichtet; sein Bruder Rainer, später als Maler bekannt, kommt 1943 ins Jugend-Straflager Moringen. Claus Küchenmeister besucht ab 1941 das Internat "Institut auf dem Rosenberg" bei St. Gallen. Er kehrt 1946 über Hannover nach Berlin zurück. 1949/50 Studium am Deutschen Theaterinstitut Weimar, 1950/51 am DEFA-Nachwuchsstudio. 1951-52 Regie-Assistent am DEFA-Studio für Synchronisation. 1952-55 Meisterschüler bei Brecht am Berliner Ensemble, Regie-Assistent bei "Urfaust" (1952, R: Egon Monk) und "Don Juan" (1953, R: Benno Besson). Diplom der Akademie der Künste. 1956 inszeniert er mit der Studentenbühne der Humboldt-Universität Brechts "Mann ist Mann". 1959 mit seiner Frau Leiter einer Klasse für Dramaturgie, 1965-69 Leiter der Fachrichtung Szenarium an der Deutschen Hochschule für Filmkunst, Potsdam-Babelsberg. Seit 1970 als Szenarist beim DEFA-Studio für Spielfilme.
Wera Skupin, geboren am 18. Oktober 1929 in Berlin, Tochter des Tischlers und kommunistischen Journalisten Boleslaw Czekalla und der Angestellten Gertrud Skupin, "meine Mutter rückt von der Scheuerfrau über die Stenotypistin zur Substitutin einers Berliner Warenhauses auf und verdient das Geld, wovon vier Menschen leben." (W. Küchenmeister, 1986). Schulbesuch in Berlin. Nach dem Abitur 1949/50 Studium am Deutschen Theaterinstitut Weimar, wo sie Claus Küchenmeister kennenlernt, den sie 1952 heiratet. 1951-54 Meisterschülerin bei Bertolt Brecht am Berliner Ensemble, ist u.a. Regie-Assistentin bei der Inszenierung von Brecht/Gorkis "Die Mutter". Sie baut die Parteiorganisation der SED am Berliner Ensemble auf und leitet sie bis zur Geburt ihrer Tochter Judith im Dezember 1952. Nebenher Dramaturgin am Theater der Freundschaft. Für die Ausbildung bei Brecht erhält sie ein Diplom der Akademie der Künste. 1960-62 leitet sie gemeinsam mit ihrem Mann eine Dramaturgie-Klasse, 1963-66 ist sie Dozentin an der Deutschen Hochschule für Filmkunst, Potsdam-Babelsberg. 1966-68 Chefdramaturgin des Maxim Gorki Theaters, Berlin. 1969-73 ist sie Sekretärin des Filmbeirats beim Stellvertretenden Minister für Kultur, 1973-75 in der Hauptverwaltung Film verantwortlich für die künstlerische Filmproduktion. Seit 1975 ist sie Szenaristin beim DEFA-Studio für Spielfilme.

Wera Küchenmeister veröffentlicht seit 1949 Gedichte, die u.a. von Paul Dessau ("Appell 52", 1952; "Freimaurer-Kantate", 1955, nach Mozart; "Appell der Arbeiterklasse", 1960) und Kurt Schwaen ("Deutsches Wiegenlied", 1949; "Wer möchte nicht im Leben bleiben", 1959) vertont werden.

Gemeinsam verfassen Wera und Claus Küchenmeister Bühnenstücke: für das Berliner Ensemble das Kinderstück "Das Waldfest der Tiere" (1952), bearbeiten "Frau Holle" (1952) für das Laientheater. Im Auftrag von Brecht adaptieren sie ein Stück von Martin Hyneccius aus dem 16. Jahrhundert, "Hans Pfriem oder Kühnheit zahlt sich aus", für die Laienspiel-Brigade des BE (UA: 4.3.1954, R: Käthe Rülicke). Anknüpfend an Traditionen des proletarischen Agitprop-Theaters der Weimarer Zeit entsteht das Hör- und Bühnenstück "Damals 18/19" (UA: 1958, Theater der Freundschaft), eine Szenenfolge über die November-Revolution 1918. Kurt Schwaen komponiert nach ihrem Libretto die Kinder-Oper "Pinocchios Abenteuer" (1970, nach Collodi). Daneben veröffentlichen sie Kinderbücher: "Judiths wunderbarer Ball" (1960), "Daniel und der Weltmeister" (1962), "Daniel und der Maler" (1963), "Daniel auf dem ABC-Stern" (1967, nur Wera Küchenmeister), "Pferdchen, du mein Weißes" (1976), "Daniel und seine Martha" (1977), "Ina" (1978), "Der Mann aus dem Dunkel" (1979), "Vom rotgesprenkelten Spatzen" (1979), "Zauberer, Teufel, Lemmingen" (1981), "Wenn ich will, bin ich ein Hase" (1981), "Das Märchen vom Hahn" (1982).
Sie schreiben bzw. edieren für Kinder dokumentarische Bücher über den deutschen Faschismus ("Bilder aus dunkler Zeit", 1984) und ihre Kindheit in Berlin ("Um die Ecke in Berlin", 1986). Von Wera Küchenmeister allein stammt der phantastische Kinderroman "Stadt aus Spaß" (1966), den beide 1977 als Hörspiel bearbeiten, 1983 entsteht das Hörspiel "Elend und Glanz des Wilhelm Knaupe".

1956 ist "Träumt für Morgen", ein Dokumentarfilm über Kinder, die im Puppenspiel ihr Leben darzustellen versuchen, ihr Debüt bei der DEFA. "Der Film löste einen Krach aus und wurde verboten. Man hat später ohne unser Wissen Teile aus dem Film herausgeschnitten und verändert. Verärgert gingen wir zu Brecht. Brecht gab uns den Rat, den Verantwortlichen zu sagen, sie wären Dummköpfe. Wir erwiderten, so könnten wir nicht mit Leuten reden. 'Dann schlagt in Grimm's Wörterbuch nach und umschreibt das Wort', war sein kurzer Kommentar." (Küchenmeister, 1986). Die Originalfassung des Films ist nicht erhalten.

Gemeinsam mit Slatan Dudow, Gerhard Klein, Wolfgang Kohlhaase und Heiner Carow bauen die Küchenmeisters die DEFA-Gruppe "Berlin" auf. Zurückgreifend auf das Schicksal Rainer Küchenmeisters, entsteht 1958 (in Zusammenarbeit mit Carow) "Sie nannten ihn Amigo" über die Erlebnisse eines 13jährigen Jungen, der während der Nazi-Zeit auf dem Hinterhof einen entflohenen KZ-Häftling verbirgt und schließlich selbst ins KZ gesperrt wird. "Liebevolle Milieupusselei, zu der Hinterhofatmosphäre so leicht verführt, wird vermieden, aber der soziale Raum, in dem die Fabel abrollt, wird genau und konkret abgesteckt. Es fehlt jede

Psychologisiererei, aber innere Vorgänge erhalten ihr von der Handlung bestimmtes Gewicht." (H. D. Mäde, Deutsche Filmkunst, Nr. 3, 1959). Der Film, der erfolgreich stilistische


^ Judiths wunderbarer Ball


Judiths wunderbarer Ball


Seht den allerschönsten Kindergarten!

Seht den Park, mit Bäumen so hoch, daß sie beinahe an die Wolken stoßen. Seht den Teich mit Enten darauf; und seht den Traktor, mit dem das Entenfutter herangefahren wird. Seht euch die Wiese an: da das Sputnikkarussell, dort die Raketenrutschbahn. Hui, die kann man hinuntersausen! Alles, was ihr euch denken könnt, das gibt's in diesem allerschönsten Kindergarten. Und noch mehr, aber während die Kinder Enten füttern und Vogelhäuschen an den Birken befestigen und auf der riesigen Weltkugel den Nordpol erklettern, sitzt drinnen in dem hellen Haus mit den großen

Fenstern das Mädchen Judith. Das hält einen Pinsel in der Hand und summt. Vor ihm auf dem weissen Zeichenkarton leuchtet ein Ball: Bunt wie der Hahn im Bilderbuch. Diesen Ball hat Judith gemalt, ganz allein.

Kaum aber hat Judith das Bild an die schwarze Wandtafel geheftet — kaum hat sie vor Freude in die Hände geklatscht — kaum ist sie hinausgesprungen in den Park, um den anderen zuzurufen: ,,Ich habe einen Ball gemalt! Ich habe einen Ball gemalt!" — und kaum, als die ersten neugierig herandringen – da – enttäuscht begucken die Kinder die Tafel. Die Größte deutet sogar mit dem Finger darauf und sagt: ,,Da ist kein Ball. Da ist ein Loch!"

,,Mein Ball, mein Ball ...", stammelt Judith. Und Tränen steigen ihr in die Augen.

Mit einem Male zeigt Daniel, der Kleinste, unter den Tisch: ,,Da! Ein Ball!"

Judith glaubt zu träumen. ,,Das ist mein Ball", flüstert sie.

Wahrhaftig: Er ist herausgesprungen, der Ball, damit alle ihre Freude daran haben können!

Zögernd, mit beiden Händen, ergreift sie den Ball. Die anderen bewundern ihn: Ein schöner Ball! Judith ist jetzt sehr glücklich. Und sie jubelt: „Kommt, wir wollen mit dem Ball spielen!" Begeistert stimmen alle ein. Draußen vor dem Haus hält Judith den Ball hoch über ihren Kopf. ,,Hier!" ruft sie.

Und die, die um das Mädchen herumstehen, rufen im Chor: „Hier!"

Da verlassen die Kinder die bunten Enten — und die Raketenrutschbahn.

Verlassen steht der Traktor. Alle, alle spielen sie mit dem schönen Ball. Zur Wiese geht's, am Ententeich vorüber, am Traktor vorbei...

Jeder will ihn fangen, jeder will ihn werfen. Steil steigt er zur Sonne auf. Und er glänzt, der Ball, wie die Augen der Kinder glänzen. Wie glücklich alle sind beim gemeinsamen Spiel!

Aber wo ist Judith, die den schönen Ball gemalt hat? Abseits steht sie. Sie freut sich nicht mehr mit den anderen. Sie lacht nicht mehr: Sie zieht die Stirn in Falten. Und plötzlich ruft sie: ,,Das ist mein Ball, ich hab ihn gemalt!"

Leise hört Judith. „Rrrrrrrrrrrr ..." Ein Hubschrauber über dem Kindergarten! So tief fliegt er, das man die Piloten in der gläsernen Kanzel sehen kann. Jetzt winken sie. Und da winken auch die Kinder, recken sich, strecken die Arme aus, als wollten sie den Hubschrauber mit den Händen greifen.

Währenddessen rollt der Ball den Abhang hinunter. Geradewegs Judith vor die Füße. Sie drückt den Ball fest an sich. ,,Du bist mein Ball. Ich hab' ihn gemalt!"

Und schnell — so schnell, das man es nicht sehen kann — versteckt Judith den Ball im dichtesten Gesträuch. Dann geht sie schnurstracks auf die Weltkugel zu und klettert auf den Nordpol. Der Hubschrauber ist hinter den hohen Bäumen verschwunden.

Die Kinder wollen wieder mit dem Ball spielen. Doch wo ist er? Ratlos schauen alle in die Runde. Niemand kann ihn entdecken. Judith aber ruft ihnen von der Weltkugel zu: ,,Wo ist mein Ball geblieben?" Und mit den Beinen schlenkernd, befiehlt sie: ,,Ihr helft mir ihn suchen. Sucht meinen Ball!"

Sogleich beginnen die Kinder zu suchen:

Zwischen den Ringelblumen – unter den Birken – in der Raketenrutschbahn

- nirgends wird der Ball gefunden.

Schließlich stehen die Kinder traurig vor Judith. ,,Wir können ihn nicht finden!"

Judith blickt von oben, vom Nordpol, auf die anderen herab. ,,Ihr seid böse."

Und als die anderen Kinder bitten: ,,Male uns einen neuen Ball...", da sagt sie nichts als: „Nein."

Alle Kinder denken: Wie traurig ist Judith über ihren verlorenen Ball. Und alle wollen sie trösten: „Möchtest du die Enten füttern?" fragen sie.

„Möchtest du die Blumen gießen?"

„Möchtest du auf dem Traktorfahren?"

„Nein. Nein. Nein."

Da drängt sich Daniel, der Kleinste, zu Judith durch. Sein liebstes Spielzeug kramt er sich aus der Hosentasche: einen abgegriffenen Tennisball. Freundlich bittet er sie: ,,Nimm den."

Doch Judith springt von der Weltkugel und antwortet: „Den will ich nicht!"

Dann stolziert sie zu dem dichtesten Gesträuch, zieht den Ball heraus und zeigt ihn triumpfierend. „Mein Ball ist viel schöner. Er gehört nur mir. Ihr dürft nicht mehr mit ihm spielen."

Die Kinder starren das Mädchen an. Daniel, der Kleinste, blickt betrübt auf seinen guten, alten Tennisball. Judith aber hüpft mit dem schönen Ball davon, quer über die große Wiese. Langsam, eines nach dem anderen, wenden sich die Kinder wieder ihren Beschäftigungen zu: Sie füttern die Enten, sie gießen die Blumen, sie sausen die Raketenrutschbahn hinunter... Und Judith? Was tut sie? Fernab von allen spielt sie mit ihrem Ball. Aber nun klatscht sie nicht mehr in die Hände zwischen fangen und werfen nein, allein macht das Spielen keinen Spaß! Schließlich setzt sich Judith auf den Ball. Ach, sie sieht gar nicht mehr glücklich aus. Plötzlich — was ist geschehen? Judith rutscht ins Gras! Und der Ball rollt — in das Haus zurück! In das helle Haus mit den großen Fenstern. Angstvoll klagt sie: „Mein Ball ist weg!"

Aber wer soll ihr noch glauben? Und niemand hört das Rufen. Da läuft Judith dem Ball nach, ins Haus. Ja, der Ball ist wieder ins Blatt gekrochen: soviel Judith an dem Papier kratzt, soviel sie auch bettelt: ,,Bitte, bitte, komm doch heraus!" — der Ball bleibt auf dem Papier. Plötzlich steht die Kindergärtnerin vor der weinenden Judith. „Das ist nun so", sagt sie. „Du hast einen schönen Ball gemalt. Der ist sogar aus dem Papier gesprungen, damit alle ihre Freude daran haben können. So schön war er. Und was hast du getan?" „Ich will es nie wieder tun", sagt Judith. „Kommt er dann auch heraus?"

Darauf antwortet die Kindergartnerin: „Geh zu den anderen. Geh nur." Aber alle wenden sich von Judith ab, wo sie auch bittet: ,,Darf ich euch helfen?"

Am Ententeich — am Blumenbeet — an der Birke.

Nun hockt Judith im Gras. Dicke Tränen kollern über ihr Gesicht. „Niemand spielt mit mir!" schluchzt sie.

Wie Judith noch so traurig ist und sehr einsam, kommt Daniel, der Kleinste. Derselbe, dessen Tennisball sie verschmäht hat. Noch einmal streckt er ihr den guten, alten Tennisball hin. ,,Komm spielen wir!"

Denn: alle wollen fröhlich sein und einander gute Freunde in diesem allerschönsten Kindergarten!

Da sind die Tränen bald getrocknet, vergessen ist die Einsamkeit. Und Judith denkt froh: Wie gut das ist, das Zusammensein! Immer vergnügter wird sie, und Daniel, der Kleinste, wird immer übermütiger. Jetzt schleudert er den Tennisball so weit, da seht ihr ihn noch?

Zu weit flog der gute, alte Tennisball: Der Kleinste schreit auf: ,,Nein!" Uber den Zaun, hinaus aus dem Kindergarten! Einem Spatzen hüpft er über den Kopf — platsch, in die Pfütze hinein! Auf dem Fahrweg malt er eine schmale Spur ... Judith und Daniel sehen durch den Zaun, lachen hell auf, über die Straße der gute, alte Tennisballs. Bemerken sie nicht das gelbe Postauto summt heran ... Da! „Peng!" knallt es. Aber alles Jammern nützt nichts: In zwei graue, unansehnliche Hälften zerfallen, bleibt der Tennisball auf dem Pflaster zurück ... Das Postauto summt schon um die nächste Ecke. Nun weint der Kleinste bitterlich. Hilflos sieht Judith von Daniel zu den Resten des Balls — von den Resten des Balls wieder zu Daniel. Und sie denkt angestrengt nach: Wie könnte ich ihn nur trösten?

Da fällt ihr etwas ein ... So schnell sie ihre Beine tragen wollen, rennt Judith durch den Park — vorbei am Sputnikkarussell, zwischen den Birken durch,am Teich vorbei. Geradewegs in das helle Haus läuft sie. Und wieder steht Judith vor der schwarzen Tafel. Schnell löst sie das Bild vom Holz,betrachtet noch einmal den bunten Ball. Dann aber, ohne zu zögern, trägt sie das Bild hinaus. Und zuriick geht's — am Teich vorbei, zwischen den Birken durch, vorbei am Sputnikkarussell ... Zurück zum Kleinsten läuft sie, das Bild sorglich in den Händen haltend.

Da steht Daniel noch immer, den Kopf gegen den Zaun gelehnt. Im ersten Augenblick weiß Judith nicht, wie sie beginnen soll. Endlich sagt sie: „Nimm das. Wenn es auch bloß gemalt ist ..." und hält ihm das Blatt hin.

Wie Daniel den Kopf hebt, erkennt er durch seine Tränen das schöne Geschenk. Noch wagt er nicht, das Bild zu berühren. Aber als er es dann doch ergreifen will — springt der Ball, schön und bunt wie er ist, heraus!

Vor die Füße des Kleinsten. ,,Unser Ball ist wieder da!" jauchzt er.Sofort stürmt Daniel zu den anderen Kindern, den Ball fest unter den Arm geklemmt.

Judith hält noch immer das leere Papier in den Händen. „Der Ball ist wieder da", flüstert sie so leise, als würde das erste laute Wort alles zunichte machen.Die Wangen glühen ihr, und das Herz klopft stürmisch. Ja, das ist auch eine

Freude. Von der Wiese her schallt fröhliches Rufen: „Unser Ball ist wieder da! Unser schöner Ball!"

Verlassen ist das Sputnikkarussell — verlassen die Raketenrutschbahn —verlassen steht der Traktor. Überglücklich stürmt Judith nun zu den Spielenden. Und mit den anderen freut sie sich: Wie der Ball in der blauen Luft leuchtet! Wird er nicht schöner mit jedem Wurf? Ja, so wie die Augen der Kinder glänzen, so glänzt dieser Ball.

Da singen auch die Vögel in den hohen Bäumen ihr schönstes Lied. Die Sonne strahlt vom Himmel, und der Wind hält den Atem an...Habt ihr die Geschichte verstanden? Dann erzählt sie weiter.

Wortschatz zum Text


Fragen zum Text

1. Was machte Judith so traurig, als alle Kinder mit dem Ball begeistert spielten?

2. Wie war ihre Reaktion, war sie richtig?

3. Wie beurteilen Sie das Verhalten von Daniel?

4. Wie nimmt die Geschichte ihren Ausgang, was können wir daraus lernen?


Aufgaben zum Text

1. Bereiten Sie den Lebenslauf von Wera und Claus Küchenmeister in Tabellenform vor.

2. Unterteilen Sie die Erzählung in einige Abschnitte!

3. Geben Sie von jedem Abschnitt eine knappe Inhaltsangabe!

4. Charakterisieren Sie die Haupthelden, Ort und Zeit der Handlung.

5. Nennen Sie die stilistischen Besonderheiten des Werkes.

6. Übersetzen Sie einen Abschnitt des Textes ins Ukrainisch.


Diskutieren Sie das Thema

Kindernbezihungen“

PRO und CONTRA

Worthilfen: 
PRO: ich bin für ... , ich halte es für besser, wenn ..., ich unterstütze die Ansicht ..., die Meinung ..., ich sehe folgende Vorteile ..., der Vorteil für die Kinder besteht in ..., positiv für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder ist ..., Begabungen, Talente fördern ...,

CONTRA: ich bin (absolut) nicht der Meinung, dass ..., ich möchte widersprechen ..., dieses Argument überzeugt mich nicht ..., ich stimme nicht überein mit ..., ich sehe folgende Nachteile ..., negative Auswirkungen sind ...


Schreibprojekt

Was denken Sie, wie könnte die Geschichte weitergehen? Schreiben Sie Ihre eigene Ende der Erzählung.


Fragen für Selbstarbeit

- Welche geselschaftliche Erscheinungen und Probleme untersuchen Wera und Claus Küchenmeister in ihrem Werk? Was ist seine Hauptidee?

- Welche Rolle spielen die stylistischen Merkmale und welche sind die führenden?

- Was könnte Wera und Claus Küchenmeister in ihrer Novelle zeigen wollen?

- Was denken Sie selbst zu den Besonderheiten des Werkes?


FormularbeginnFragen fffff


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Кафедра ділової іноземної мови iconОголошення! Доводимо до відома студентів 1-5 курсів факультету міжнародного бізнесу та міжнародного права, що більш детальну інформацію щодо електронних матеріалів
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Прошу Вас дозволити скласти кандидатський іспит із іноземної мови (у дужках вказати відповідну назву іноземної мови – англійська,...
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