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Лекція 2 Die kulturkumulative Funktion der Sprache




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НазваЛекція 2 Die kulturkumulative Funktion der Sprache
Дата27.09.2012
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ТипЛекція

ЗМІСТ

Вступ..............................................................................................................................4

1 Теми та погодинний розклад лекцій........................................................................5

2 Перелік тем лекцій.....................................................................................................6

Лекція 1 Grundbegriffe des Lehrgangs „linguistische Landeskunde“. Das Weltsprachenbild..................................................................................................6

Лекція 2 Die kulturkumulative Funktion der Sprache.......................................10

Лекція 3 Synchronie und Diachronie in der Sprachwissenschaft. Die linguistische Landeskunde aus diachronischer Sicht.........................................13

Лекція 4 Der Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache in sprachgeschichtlicher Beleuchtung....................................................................17

Лекція 5 Die linguistische Landeskunde aus synchronischer Sicht..................21

Лекція 6 Die linguistische Landeskunde aus synchronischer Sicht (Vortsetzung) .....................................................................................................26

Список літератури.......................................................................................................32


ВСТУП

Курс “Лінгвокраїнознавство німецької мови” вивчається протягом 8 семетру. Основними формами навчання є:

1) практичні заняття;

2) індивідуальні заняття;

3) самостійна робота студентів.

Цей теоретичний курс входить до циклу фундаментальних дисциплін із іноземної філології, логічно пов’язаний з курсами основ мовознавства, основ теорії мовної комунікації, історії і лексикології іноземної мови, теорії перекладу, практики мовлення і перекладу.

Мета навчальної дисципліни

Формування у студентів системи сучасних лінгвокультурологічних знань, переважно про специфіку мовних картин світу і відповідних особливостей мовної поведінки носіїв іноземних мов, які вивчаються студентами, та вмінь застосувати набуті знання в удосконаленні практики іншомовного спілкування, перекладу та в адекватному лінгвокультурологічному аналізі іноземної мови і мовлення.

Завдання курсу:

Завдання курсу “Лінгвокраїнознавство німецької мови” включають також розвиток та вдосконалення культурологічної компетенції перекладача, набуття ним фонових знань, що необхідні під час вивчення іноземної мови.

Іншими завданнями курсу “Лінгвокраїнознавство німецької мови” є ознайомлення студентів з повним аспектом соціокультурного життя Німеччини та інших німецькомовних країн через аналіз лексичних одиниць, ідіоматичних виразів, паремій.

Значення та місце дисципліни у навчальному процесі:

Курс “Лінгвокраїнознавство німецької мови” спрямований на розуміння іншомовного слова як осередка знань про навколишнє середовище.

Лінгвокраїнознавство спрямоване на перекодування ідіоматики мови з урахуванням національної свідомості, що має сприяти соціокультурному взаємообміну та взаємному збагаченню представників різноманітних культур.

^ 1 ТЕМИ ТА ПОГОДИННИЙ РОЗКЛАД ЛЕКЦІЙ



п/п

Тема

Денна форма навчання

К-сть год. лекцій

1

Grundbegriffe des Lehrgangs „linguistische Landeskunde“. Das Weltsprachenbild

4

2

Die kulturkumulative Funktion der Sprache

2

3

Synchronie und Diachronie in der Sprachwissenschaft. Die linguistische Landeskunde aus diachronischer Sicht

2

4

Der Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache in sprachgeschichtlicher Beleuchtung

2

5

Die linguistische Landeskunde aus synchronischer Sicht

2

6

Die linguistische Landeskunde aus synchronischer Sicht (Vortsetzung)

2




Усього годин за семестр

14



^ 2 ПЕРЕЛІК ТЕМ ЛЕКЦІЙ

VORLESUNG 1

Thema: Grundbegriffe des Lehrgangs „linguistische Landeskunde“. Das Weltsprachenbild


  1. Gegenstand, Inhalt und Aufgaben der linguistischen Landeskunde.

  2. Verbindung der linguistischen Landeskunde mit anderen Lehrfächern.

  3. Vorstellung vom Weltsprachenbild. Sprachfamilien.

  4. Die deutsche Sprache. Dialekten und Mundarten der deutschen Gegenwartssprache.


Im Wörterbuch für linguistische Landeskunde von D.G.Malzewa können wir so eine Definition des Begriffes „linguistische Landeskunde“ finden:

„Die linguistische Landeskunde ist der Teil der Landeskunde im allgemeinen. Die Tatsachen der Kultur erlernt man darin nicht an und für sich, sondern in ihrer Widerspiegelung in den Tatsachen der Sprache“ D.G. Malzewa. Linguostranowedtscheskij slowar. Germania. Strana i jasyk. M.: „Russkije slowari“, 1998.


Linguistik (vom lat. „lingua“ – „Sprache“) ist die Wissenschaft über die natürliche menschliche Sprache überhaupt und über alle irdischen Sprachen als ihre Vertreter. Sie ist eng mit anderen Wissenschaften verbunden, weil sie ein wichtiges Kommunikationsmittel ist. Solch eine Verbundenheit zwischen der Linguistik und der Landeskunde nennt man gerade die linguistische Landeskunde (LL). Dieser Fachausdruck existiert schon mehr als 30 Jahre.

Die linguistische Landeskunde ist eng mit vielen Wissenschaften gebunden. Vor allem sollen wir solche Disziplinen nennen wie die Grundlangen der Sprachwissenschaft, die Theorie der Sprachkommunikation, die Geschichte und Psychologie der Fremdsprache, die Theorie der Übersetzung, die Sprach- und Übersetzungspraxis.

Das Lernziel im Fach „LL“ besteht heute in der Bildung bei den Studierenden eines Systems der gegenwärtigen linguistisch-kulturellen Kenntnisse vor allem über die Spezifika des Weltbildes und der entsprechenden Besonderheiten des Sprachbenehmens (мовної поведінки) der Fremdsprachenträger. Die weitere Aufgabe des Kursus besteht in der Ausbildung der Fähigkeiten und Fertigkeiten in der Anwendung der zukünftigen Kenntnisse in der Sprachpraxis mit den Fremdsprachenträgern.

Die Aufgabe der LL ist auch die Entwicklung und Vervollkommnung der kulturellen Kompetenz des zukünftigen Übersetzers und auch der Erwerb von Folienkenntnissen (Hintergrundkenntnissen), die beim Erlernen der Fremdsprachen notwendig sind.

Die LL soll außerdem zu dem gegenseitigen soziokulturellen Austausch und zu der gegenseitigen Bereicherung der Vertreter verschiedener Kulturen beitragen.

Noch eine der Aufgaben der LL ist auch die Bekanntmachung der Studierenden mit breitem Aspekt des soziokulturellen Lebens Deutschlands, Österreichs und anderer deutschsprachigen Länder durch die Analyse der lexikalischen Einheiten, Begriffe oder idiomatischen Redewendungen.

Nach unterschieldichen Angaben existieren heutzutage in der ganzen Welt von 2,5 bis 7 Tausend Sprachen (nach Internetangaben von 1999 sind das 6703 Sprachen). Die genaue Sprachenanzahl zu bestimmen, ist aber unmöglich, weil die Unterschiede zwischen verschiedenen Sprachen und Dialekten einer einzelnen Sprache sehr bedingt(умовні) sind.

Die Weltsprachen unterscheiden sich voneinander vor allem durch ihre Struktur, ihre Trägeranzahl, durch das Vorhandensein des Schriftums, durch die Stufe ihres Erlernens und gesellschaftliche Funktionen.

Zu den verbreitesten Sprachen der Welt gehören (Zahl des Sprechenden auf das Jahr 1999 nach den Internetangaben): Chinesisch (1223 Mln.), Englisch (322 Mln.), Spanisch (332 Mln.), Chindi und Urdu (240 Mln.), Russisch (170 Mln.), Bengalisch (170 Mln.), Indonesisch (180 Mln.), Arabisch (180 Mln.), Portugisisch (170 Mln.), Japanisch (125 Mln.), Deutsch (100 Mln.), Französisch (72 Mln.).

Entsprechen der genealogischen Klassifizierung unterteilen sich alle Weltsprachen in die Sprachfamilien, Sprachzweige, Sprachgruppen und Untergruppen und dann in einzelne konkrete Sprachen.

Heutzutage gibt es etwa 200 Sprachfamilien, darunter sind 22 in Europa und Asien, 20 – in Afrika, andere – in Amerika, Australien, Neuguinia (-gi-). Die größten und bekanntesten Sprachfamilien sind indoeuropäische, semitenhamitische, kaukasische, ugro-finische, türkische, mongolische, chinesisch-tibetische und andere.

Indoeuropäische Sprachfamilie ist am zahlreichsten. Dazu gehören etwa 150 Sprachen, in dennen fast 2 Milliarden (Mrd.) 171 Millionen (Mio.) 705 Tausende Menschen sprechen. (Diese Angaben sind vom Jahr 1985, die Erdebevölkerung zählte damals 4 Mrd. 660 Mio. 295 Tausend). Alle diese Sprachen vereinigen sich in 12 Gruppen: indische, iranische, slawische, baltische, germanische, romanische, keltische, griechische, albanische, armenische, anatolische und tocharische (ist schon tot). Germanische Sprachen gliedern sich in 3 Untergruppen: nordgermanische (oder skandinavische), westgermanische und ostgermanische. Die deutsche Sprache gehört wie auch englische, holländische, flämische, friesische und jiddische zur westgermanischen Untergruppe.

Das Wort „deutsch“ erschien im 8. Jahrhundert und bedeutete nur die Sprache. Man hat Deutsch im Osten Frankenreiches gesprochen. Die Bevölkerung dieses Reiches bestand aus den Völkern mit germanischen und romanischen Dialekten. Die Großstämme der Franken, der Alemannen, der Bayern, der Sachsen, der Thüringer und einige slawische Stämme haben dieses Reich gegründet. Karl der Große war der König des Frankenreiches. Seine größte Macht erreichte es unter ihm. Nach Karls Tod (814) teilten seine Enkel das Frankenreich in ein Westreich und ein Ostreich. Langsam entwickelte sich bei der Bevölkerung des Ostreiches ein Gefül der Zusammengehörigkeit (відчуття єдності). Das Wort „deutsch“ bedeutete jetzt nicht nur die Sprache. Man übertrug es auch auf die Sprecher und dann auf ihr Wohngebiet („Deutschland“).

Die deutsche Westgrenze blieb recht stabil. Die Ostgrenze befand sich um 900 an den Flüssen Elbe und Saale. In den folgenden Jahrhunderten entstanden neue deutsche Siedlungsgebiete weit im Osten. Nur im 14.Jh. kam diese Bewegung zum Stillstand (цей рух припинився). Diese Volksgrenze zwischen Deutschen und Slawen bestand bis zum Zweiten Weltkrieg.

Also, die Entstehung des deutschen Volkes war ein langer Prozeß. Im Laufe der letzten tausend Jahre ist das deutsche Volk im wesentlichen aus verschiedenen deutschen Stämmen wie den Franken, Sachsen, Schwaben und Bayern zusammengewachsen. Heute sind diese Stämme nicht mehr vorhanden, doch ihre Traditionen und Dialekte leben weiter. Die Grenzen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen sind mehr oder weniger verwischt, aber unterschiedliche charakteristische Eigenschaften, die den Volksgruppen zugeschrieben werden, bleiben. So gelten die Mecklenburger als verschlossen, die Schwaben als sparsam, die Rheinländer als lebenslustig und die Sachsen als fleißig und pfiffig (хитрий) - diese Reihe kann man fortsetzen.

Der deutschsprachige Raum ist sehr reich an Mundarten (говір, діалект). Während in Norddeutschland das Niederdeutsch mit unterschiedlichen Dialekten erhalten gebleiben ist, werden in Mittel- und Süddeutschland, Österreich und der Schweiz vor allem Dialekte des Hochdeutschen gesprochen (z.B.:Bayrisch, Schwäbisch, Wienerisch, Sächsisch, Hessisch u.s.w.).

Diese Dialekte werden bis heute mehr oder weniger stark von der jeweiligen Bevölkerung gesprochen. An Dialekt und Aussprache kann man bei den meisten Deutschen erkennen, aus welcher Gegend sie stammen. Wenn beispielsweise ein Friese oder ein Mecklenburger und ein Bayer sich in ihrer reinen Mundart unterhalten, haben sie große Schwierigkeiten, einander zu verstehen.

Während der deutschen Teilung hatte sich in den beiden deutschen Staaten überdies ein unterschiedlicher politischer Wortschatz entwickelt. Auch kamen neue Wörter auf, die im jeweils anderen Staat nicht ohne weiteres (одразу) verstanden wurden. Doch der Grundwortschatz und die Grammatik blieben im West und Ost gleich.

Die Ausbildung einer gemeinsamen Hochsprache geht auf die Bibelübersetzung von Martin Luther im 16. Jahrhundert zurück. Deutsch ist die Muttersprache von über 100 Mln. Menschen. Außerhalb Deutschalnds wird Deutsch als Muttersprache in Österreich, in Liechtenstein, im größten Teil der Schweiz, in Südtirol (Norditalien) und in kleineren Gebieten in Belgien, Frankreich (Elsass) und Luxemburg entlang der deutschen Grenze gesprochen. Aufgrund der engen nachbarshcaftlichen Beziehungen und der Sprachverwandschaft verstehen und sprechen auch sehr viele Holländer und Dänen die deutsche Sprache. Auch die deutschen Minderheiten in Polen, Rumänien und in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion haben die deutsche Sprache zum Teil bewahrt.

Neben Englisch und Französisch zählt Deutsch zu den Hauptverkehrssprachen in der Welt. An vielen Schulen und Universitäten in Europa und in der Welt wird Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Etwa jedes zehnte Buch in der Welt ist in deutscher Sprache geschrieben. Deutsch ist die Sprache, in die am meisten übersetzt wird. Es steht nach Englisch und Französisch an dritter Stelle unter den Sprachen, aus denen übersetzt wird.


VORLESUNG 2

Thema: Die kulturkumulative Funktion der Sprache


  1. Fünf methodologische Prinzipien des Faches „LL“.

  2. Kulturkumulative Funktion der Sprache.

  3. Sprachkultur und Sprachetikette.


Zwei große Bereiche bilden die Problematik des Faches „LL“: der philologische Bereich (meistens linguistischer) und der linguistisch-didaktische Bereich (meistens methodischer).

Das Fach der „LL“ beträgt die Sprachanalyse zweks der Aufdeckung von nationalkultureller Semantik. Die LL befasst sich mit dem Sprachenlernen in kultureller Hinsicht. Den Schwerpunkt dieses Faches bilden 5 methodologische Prinzipien:

^ Das erste Prinzip: die gesellschaftliche Natur einer Sprache lässt sich in einer Reihe von Funktionen realisieren. Besonders wichtig nennt man solche drei:

  1. kommunikative Funktion; die Information wird von einem Kommunikationsteilnehmer zu dem anderen übergegeben; man nennt sie auch die kommulative;

  2. kumulative (kulturtragende) Funktion; sie ist auch eine sparende Funktion;

  3. direktive, die eingerichtete Funktion; sie wirkt auf die Persönlichkeit ein.

Das zweite Prinzip: es schließt in sich Erlernen und Beibringen einer Fremdsprache wie ein Prozeß der Akkulturation ein. Es entwickelt die positive Stellung zur anderen Kultur, zum fremden Land.

^ Das dritte Prinzip ist aufs Engste mit dem zweiten verbunden. Positive Aufstellung zum Sprachträger, zur fremden Kultur liegt ihm zugrunde.

Das vierte Prinzip verwirklicht die Integritäts- und Homonitätsforderung des Sprachprozesses. Die landeskundliche Information wird den natürlichen Sprachformen entnommen und sie wird auf keinen Fall durch den künstlerischen Weg beigebracht.

^ Das fünfte Prinzip ist eng mit der Präzisierung der linguistisch-landeskundlichen Spezifik verbunden. Der landeskundliche Aspekt lässt die philologische Art von zweierleier Erkenntnis der Wirklichkeit realisieren.

Die Philologie betrachtet ihre Aufgabe als Auszug von allen in der Sprache und in den Texten gewonnenen Erkenntnissen. Die „LL“ benutzt den Text und die Sprache als Träger nationalkultureller Erkenntnisse.


^ Die kulturkumulative Funktion der Sprache.

Die Bestimmungen von der Kultur umfassen nur in der wissenschaflichen Literatur etwa 200 Benennungen. Als Kultur bezeichnet man heutzutage die Gesamtheit von Prozessen und Ergebnissen in beliebiger Sozailtätigkeit der Menschen. Die Kultur wird im materiellen und geistlichen Aspekt betrachtet.

^ Die materielle Kultur. Das ist die Gesamtheit von gesellschaftlichen und sehenswerten Werken der Menschen, wie in den altertümlichen als auch in den heutigen Generationen.

Die geistige Kultur. Die ist die Bildung, die Verteilung und der Verbrauch von geistigen Schätzen. Dazu gehören das Schaffen und die Beherrschung des gesamten gesellschaftlichen Schatzes. Unter der Kultur verstehen wir das Erzeugnis der sozialer Aktivität der Menschen. Die Kultur ist ein wichtiger Komponent für die Aufstellung einer Persönlichkeit.

^ Die Tradition ist ein sozialer Mechanismus der kulturellen Erbschaft, er verwirklicht sich im kulturellen Nachlaß von einer Generation zur anderen.

Der Mensch wird als Persönlichkeit im Erziehungsprozeß betrachtet. Die Kindererziehung vollzieht sich durch die Einwirkung von nationalen Kulturen. Der bekannte Psychologe Ananjew sagte: „Die Kultur ist ein Erziehungsergebnis. Und die Persönlichkeit ist ein Ergebnis der Kultur“.

Im Prozeß der menschlichen Tätigkeit unter verschiedenen Umständen und beim menschlichen Verkehr zwischeneinander treffen oft die Akkulturation und die Assimilation.

Die Akkulturation ist ein kultureller Austausch, der als Ergebnis eines ständigen direkten Kontaktes zwischen zwei verschiedenartigen Kulturgruppen ist. Insgesamt versteht ein Mensch also zwei verschiedenen Kulturen.

^ Die Assimilation ist ein Prozeß des Erhaltens der neuen Tatsachen. Die Assimilation beginnt erst dann, wenn eine A-Kulturpersönlichkeit ihre Sprache vergisst und völlig die B-Kultur einnimmt. Die Assimilation entsteht in der Regel in der dritten Generation.

Die interkulturelle Kommunitaion. Sie kommt vor, wenn zwei Gesprächspartner nicht völlig einander verstehen. Sie können auch zwei gleiche Sprachträger sein. Das geschieht wegen der Divergenz (розходження) von zwei Kulturen. Diese Kulturen können innerhalb eines Landes vertreten sein.

Die „LL“ setzt sich das Ziel, die gegenseitige Verständigung zu sichern.

^ Die Hintergrundwissen. Das sind die Kenntnisse der Realien und der Begriffe der Menschen, die für eine erfolgreiche interkulturelle Kommunikation notwendig sind. Es handelt sich hier um viele extralinguistische Kenntnisse, z.B. solche wie Geschichte-, Ökonomik- und Politikkenntnisse u.a.m.

Also, das Hauptziel der Disziplin der „LL“ ist das Erlernen der Sprache mit dem gleichzeitigen Erlernen der Kultur des Landes, dessen Sprache wir beherrschen möchten.


^ Die Sprachkultur und Sprachetikette

Man betrachtet also die Persönlickeit als das Kulturergebnis. Jeder Mensch wird in einer bestimmten Kulturumgebung erzogen. Jeder Mensch folgt seiner Rede im Kommunikationsart nach: bei der Arbeit, in verschiedenen Veranstaltungen und Organisationen, vor dem Auditorium.

Die Kultur der Umgangsprache hängt hauptsächlich von den Eltern, von der Familie ab. Das Kind saugt jedes Wort, jede Geste der Erwachsenen auf und wiederholt alles. Seien Sie immer aufmerksam und höflich zueinander, sagen Sie immer „Guten Morgen“, „Gute Nacht“, „Vielen Dank“, „das Essen schmekt gut“, „Bitte schön“. Von ersten Tagen an muß man beim Kind die Literatursprache entwickeln, und keinesfalls mit ihm vulgär sprechen. Hier wird es über die Ethik (Wissenschaft von der Moral und von den Benehmensnormen), auch von der Ästhetik (Wissenschaft von der Kunst, von den Schönheitsformen im Schaffen) gesprochen. Der Ethik nach müssen wir einander richtig begrüssen, sich korrekt verabschieden, um die Hilfe bitten, sich mit den Altersgenossen und den Älteren verkehren, per Telefon sprechen.

Falls ein Mensch „gut“ und „schön“ spricht, können wir sagen: es wird die ästhetische Funktion der Rede realisiert. Die ästhetisch geformte Rede wirkt nur positiv ein. Es gibt auch solch einen Begriff wie die Redeetikette. Das sind die nationalspezifischen Regeln, oder die Summe von diesen Regeln, die in der Gesellschaft für die Kontakte mit der Umwelt richtig sind. Diese Regeln werden von den Verhältnissen mit den Menschen bestimmt. Sie geben den Verhältnissen den richtigen Ton an.


VORLESUNG 3

Thema: Synchronie und Diachronie in der Sprachwissenschaft. Die linguistische Landeskunde aus diachronischer Sicht


  1. Sprache als ein historisches und soziales Phänomen.

  2. Synchronie und Diachronie als zwei Einstellungen beim Spracherlernen.

  3. Neuhochdeutsch. Mittelhochdeutsch. Althochdeutsch.


Die Sprache ist eine relativ stabile Erscheinung. Sie scheint dem Sprachträger unwandelbar (stabil) im Laufe seines ganzen Lebens. Wir sehen doch aber, daß sich die deutsche Sprache des Mittelalters von der gegenwärtigen deutschen Sprache bedeutend unterschiedet. Die quantitativen Änderungen in der Sprache riefen allmählich im Laufe von Jahrhunderten die qualitativen Änderungen hervor. Deshalb versteht unser Zeitgenosse die uralten Texte kaum.

Die Sprache ist also eine lebende Tätigkeit und zugleich ein Produkt der Vergangenheit. Dementsprechend unterschiedet man in der Sprachwissenschaft den Zustand der Sprache und die Entwicklung der Sprache.

Es gibt zwei Einstellungen (підходи) beim Spracherlernen: das Spracherlernen in einem bestimmten Zeitraum und das Spracherlernen in ihrer historieschen Entwicklung während eines dauernden Zeitabschnitts.

Für die Bezeichnung dieser Begriffe (des Zustands der Sprache und der Entwicklung der Sprache) werden in der Linguistik solche Termini wie „Synchronie“ und „Diachronie“ verwendet.

^ Die Synchronie (vom griech. syn „gleichzeitig“ und chronos „die Zeit“, d.h. „Gleichzeitigkeit“) bedeutet:

  1. den Zustand der Sprache im bestimmten Zeitraum ihrer Entwicklung oder in einer bestimmten Epoche;

  2. das Spracherlernen abhängig von bestimmter Zeitperiode.

Die Diachronie (vom griech. dia „durch“ und chronos „die Zeit“, d.h. „Ungleichzeitigkeit“) bedeutet:

  1. die historische Entwicklung der Sprache;

  2. die Erforschung der Sprache in ihrer historischen Entwicklung.

Für die Sprechenden ist vor allem Synchronie von großer Bedeutung. Um eine moderne Sprache gut zu beherrschen, ist gar nicht obligatorisch, die Sprachgeschichte zu studieren. Aber für einen Sprachforscher sind beide Aspekte (synchronische und diachronische) wichtig. Man unterscheidet heutzutage beim Spracherlernen entsprechend diesen zwei Standpunkten die synchronische und diachronische Sprachwissenschaft.

Das gründliche Erlernen der Sprache ist nur dann möglich, wenn wir diese aus synchronischer und diachronischer Sicht betrachten. Um den gegenwärtigen Zustand der Sprache zu begreifen, muß man ihre geschichtliche Entwicklung erforsehen.

Die Sprache vermutet immer das Vorhanden der Geschichte. Wenn wir sprechen, so schließen wir in die Generationsstafette ein, wohnen den Traditionen bei. Die Sprache beruht sich auf der Existenz einer Gemeinschaft. In wissenschaftlicher Hinsicht kann man sagen, daß die Sprache gleich ein historisches und soziales Phänomen ist. Falls diese Sprache für uns heimlich ist, so verbindet sie uns mit allen Menschen, die sie durch gleiche historische und soziale Voraussetzungen befriedigt. Falls diese Sprache für uns fremd ist, so heißt es, sie hat andere sozaile und historische Verhältnisse als jene Sprache, welche wir sprechen.

Jede Sprache nimmt die Geschichte ein. Es ist bekannt, daß die deutsche Sprache vor Jahrhunderten Deutsch war und als Deutsch klang. Die Werke von Fontane, Storm, Gottfried Keller, die 1878 erschienen waren, verstehen wir auch heutzutage ohne Schwierigkeiten. Und die Offenbachs „Erzählungen von Hoffmann“, die zum ersten Mal 1881 vorgetragen waren, können auch heute auf unseren Bühnen vorlaufen und kein Zuschauer spürt irgendeine Schwierigkeiten beim Verständnis. Jedoch scheint uns diese Rede in einigen Stellen etwas fremd, diese Zeilen sind mit etwas bedeckt (ein Jahrhundertstaub, ein Spinngewebe). Etwas entfernt sie von uns.

Neuhochdeutsch. Jahrhunderte zurück hatten die Menschen die Sätze ebenso wie wir gebaut, gleiche Laute gebraucht. Sie hatten jedoch einige Wörter benutzt, die für uns heute fremd sind und jetzt archaisch widerhallen (звучать). Die Hauptsache besteht darin, daß in dieser Sprache viele Begriffe (sprotliche, technische, hygienische, Verwaltungs- und Transportbegriffe) fehlen, die für uns Umgangswörter sind. Seit dieser Zeit vollzog sich eine starke Veränderung im Wortschatz, vieles wurde weggefallen und nicht mehr gebraucht, vieles wurde hinzugefügt. Je weiter wir zurücktreten, desto deutlicher sehen wir diese Umkehrung (інвресія). Wir lesen mühsamlos die Werke von Goethe und Schiller (vielleicht nicht so leicht wie Fontane, Keller oder Storm). Aber nicht jeder wagt sich aufs Lesen des großen Romans von Grimmelshausen „Simplizissimus“.

„Hochgeneigter Leser!“ – so schrieb Grimmelshausen 1669. – „Ob ich mir gleich gäntlich vorgenommen hatte (meinen noch übrigen kurtzen Lebens-Rest in dem äußersten Ende der Welt in ungeheurer menschenloser Wildnuß mit Betrachtung und ferner Zusammenschreiben meiner Lebens-Begebenheiten zu zubringen/seyn doch solche meine Gedacken gewesen (mit denen mein Fatum und Geschick gantz und gar nicht uebereinzustimmen sich bequemen wollen /also/ das ich mich wider meinen Willen wider auf die Reise machen/mein altes Vagieren aufs neue anfangen/und meinen geliebten Herren Landsleuten und nahen Anverwandten zum besten mich hervor tun muessen“.

Es ist kein Zweifel: diese Zeilen sind deustch geschrieben, und jeder von uns vesteht sie beim langsamen Lesen. Aber wir nehmen sie beim langsamen Lesen. Aber wir nehmen dieses Deutsch als fremdes Deutsch auf. In moderner Sprache sähe dieser Auszug so aus: „Lieber Leser! Obgleich ich mir fest vorgenommen hatte, meinen Lebensabend am Rand der Welt ... zu verbringen“. Es gibt auch Unterschiede in der Rechtschreibung der modernen Sprache, für den heutigen Leser ist unverständlich auch die fremde Schrift.

Mittelhochdeutsch. Kehren wir noch drei Jahrhunderte zurück! Jetzt stehen wir vor dem anderen ungewöhnlichen Werk der deutschen Sprache. Gegen 1400 hatte der Saaser Rektor Johannes von Schütw seine berühmte Debatte zwischen dem Menschen und dem Tod geschrieben, die Debatte über den Sinn des Sterbens.

Der bogemische Ackermann beginnt mit der Todesverfluchtung: „Orrimider Filger aller Leute, schedlicher Echter aller Werlte, freisamer Morder aller Menschen, ir Tot, euch sei verfluchtet“. Das Wort „Echter“ ist mit dem Wort „acht“ verbunden und benennt den Verfolger oder den Feind, andere Wörter haben jetzt ihren neuen Sinn. Kaum werden wir heutzutage „schedlicher Feind“ (schädlicher Feind) sagen. Einige Wörter werden heute anderes ausgesprochen („Werlt“ anstatt „Wert“). Auf verschiedene Art sind auch die Sätze gebaut, heutzutage würden wir sagen: „seid verflucht!“ Dennoch jeder, der diese Zeilen liest, hört diese prachtvollen Zeilen und das Erklingen jedes einzelnen Wortes des Bogemischen Humanisten. Im 12. Jahrhundert hatte ein Mönch des Österreichischen Ordens ein Gedicht geschrieben. In diesem Gedicht stellt Heinrich (so hieß dieser Mönch) seinen Zeitgenossen die Todesgedanken vor:

„Er ist saelic und wîse

der das êwige paradîse

nser erbe, in sînem mûte hât.

Owe, wie unhôle den gestât

Swaz ûf dirre erde beschaffen ist!“

Einige Wörter aus dem Gedicht haben schon ganz andere Bedeutung, vieles ist verloren. Auf die moderne Sprache können wir so „übersetzen“: „Der Mann ist heil und klug, der das ewige Leben, unser Erbteil nicht vergißt. Ach, wie wenig denen das alles gilt, was auf dieser Erde vorhanden ist“.

Althochdeutsch. Im 9.Jahrhundert hatte ein Mönch aus Fulda, in seiner Bestrebung die evangelische Geschichte von Luckas zu den Landsleuten zu bringen, so übersetzt:

„Uuard tho gitan in then tagun, framquam gibot fon demo aluualten keisure, thaz gebrievit vvurdi at these umbiuuerft“.

In 700 Jahren schafft Marthin Luther den gleichen Text auf ganz andere Weise: „Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot vom Keiser Augustus ausging, das alle Welt geschätzt wurde“. Luther hatte ganz andere Mustern als jener Mönch aus Fulda gehabt, aber ihre Werke unterscheiden sich nicht besonders stark. „Es geschah damals in diesen Tagen, es erschien ein Gebot vom allmächtigen Kaiser, daß diese ganze Welt abgeschrieben würde“. Es ist schwierig für einen heutigen Leser das gemeinsame zwischen diesenTexten zu finden; einige Laute entsprechen sehr wenig dem heutigen Deutsch (gitan – getan, gibot – Gebot, tagun – tagen). Es gibt auch ein Rätsel in der Rechtschreibung. Anstatt unseres „w“ steht „uu“, obwohl damals klang es wie ein englisches „w“. Und die mehreren „th“ (tho, then, thaz, theze). Wahrscheinlich wurden sie gleich dem modernen englischen „th“. Der Satzbau, die Wortstellung – alles ist in Althochdeutsch anders, mehr unbequem und kompliziert, damals sollten die Menschen langsamer und wägbarer (складні, ще важче) sprechen. Die Silben sollten so zusammenstellen, so „voll“ sein, daß man sie nicht ausschlucken konnte.


VORLESUNG 4

Thema: Der Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache in sprachgeschichtlicher Beleuchtung

    1. Die Entlehnungen und die Wortbildung in Althochdeutsch und in Mittelhochdeutsch.

    2. Die Wandlungen im Wortschatz in der frühneuhochdeutschen Zeit.

    3. Die Bedeutungsveränderungen der Wörter oder der Bedeutungswandel.


Die althochdeutschen Sprachdenkmäler zeugen davon, daß die deutshce Sprache schon in jener Zeit einen reichen Wortschatz besaß. Neben den Wörtern aus dem Bereich des alltäglichen Verkehrs besaß das Althochdeutsch einen reichen Schatz von Wörtern aus dem Bereich des Geisteslebens, der Dichtung, der Viehzucht und des Ackerbaus, des Bau-, Rechts- und Heereswesens. In den ahd. Sprachdenkmälern kommt das ständige Wachstum des Wortschatzes im Zusammenhang mit der Entwicklung der feudalen Kultur, der klerikalen Bildung, des Staats- und Rechtwesens, mit der Übertragung zahlreicher lateinischer theologischer und philosophischer Schriften in die deutsche Sprache und der Schaffung der dazu notwendigen Terminologie zum Ausdruck.

Der deutsche Wortschatz bereicherte sich einerseits durch zahlreiche Entlehnungen, andererseits durch Wortbildung. Die meisten Entlehnungen der vor- und ahd. Zeit sind aus der lateinischen Sprache, z.B.:

lat. secula – ahd.sihhila „Sichel“ (f) – серп

lat. vinum – ahd. won “Wein” (m) – вино

lat. persica – ahd. pfersich “Pfirsich”(m) – персик

lat. pirum – ahd. bira “Birne” (f) – груша

lat.via strata (“Heeresstraße”) – ahd. stra33a „Straße“ (f)

Aus dem Latein sind auch die Monatsbezeichnungen entlehnt. Durch Lehnübersetzungen entstanden die Namen der Wochentage (die Siebentagewoche wurde von den Germanen im III.-IV. Jh. unter griechischen und römischen Einfluß eingeführt):

lat. Martium – ahd. marzeo, merzo, „März“,

lat. Maius – ahd. meio „Mai“,

lat. dies Solis – ahd. sunnыntag „Sonntag“,

lat. dies Lunac – ahd. manatag „Montag“.

Aus dem bereich des Kirchenlebens stammen die Wörter:

lat. claustrum – ahd. klфstar „Klostar“

lat templum – ahd. tempal „Tempel“ (m) – храм, святило

lat. monachus – ahd. munich “Mönch” (m) – чернець

lat. crucem – ahd. krыzi „Kreuz“ (n) – крест.

Ein beliebtes Wortbildungsmittel ist in allen altgermanischen Sprachen die Zusammensetzung, z.B. erd - biba „Erdbeben“, beta - hыs „Bethaus“, „Kirche“, gast - hыs „Gasthaus“, mitti - tag „Mittag“, himil - richi „Himmelreich“.

In der mhd. Zeit bereichert sich der Wortschatz nicht nur durch Entlehnungen aus anderen Sprachen, in erster Linie aus dem Französischen, sondern auch durch Bedeutungsentwicklung der terminologischen Lexik und der Berufslexik, z.B. afr. tornei – ahd. turnei „Turnier“, aventure „Abenteuer“.

Viele Wörter ändern ihre Bedeutung, z.B. ahd. wop, nhd. „Weib“ – es war im Ahd. eine Geschlechtsbezeichnung ( „жінка”).

Große Bedeutung für die Entwicklung der abstrakten Lexik hatten die philosophischen Schriften der Mystiker im XII.-XIV. Jh. In dieser Zeit entstanden die Wörter: begreifen, Eigenschaft, Eindruck, Einfluß, Zufall, einsehen, bildlich...

Mit der Entwicklung der Geschäftssprache beginnt die Entwicklung der terminologischen Lexik und der Berufslexik, z.B. urkunde, brief „Dokument“; rat „Rat“; burger „Bürger“; rihten, urteilen „richten“; arzat „Arzt“; antwerker „Handwerker“, beker „Bäcker“, gartner „Gärtner“, goldschmiede „Goldschmied“.

Die frühneuhochdeutsche Zeit brachte die Entwicklung von Handel und Industrie, die stürmische Reformation und die politische Kämpfe des Bauernkrieges, die Ausbreitung der deutschen Sprache auf immer neue Sphären des gesellschaftlichen Lebens, der Wirtschaft und Kunst. Das alles rief bedeutende Wandlungen im Wortschatz der werdenden deutschen Literatursprache hervor.

Unter Bedeutungswandel versteht man Bedeutungsveränderung der Wörter, die sich im Laufe der Zeit bei diesen sprachlichen Zeichen einstellt, bedingt durch Wesen und Charakter der Sprache als gesellschaftliches Phänomen. Der Bedeutungswandel tritt erstens gesetzmäßig im Zusammenhang mit dem Sachwandel ein, denn die Gegenstände und Erscheinungen der Wirklichkeit befinden sich im Zustand dauernder Veränderung.

Aber außer diesem Bedeutungswandel gibt es auch Veränderlichkeit der Bedeutung einer anderen, viel komplizierteren Art, was aus der Analyse alter Sprachdenkmäler besonders deutlich hervorgeht. Eine der größten Schwierigkeiten für das Verständnis eines mittelhochdeutschen Textes, schreibt W.Porzig („Das Wunder der Sprache“, München, 1962), bieten Wörter, die scheinbar bekannt und heute noch geläufig sind, aber etwas ganz anders bezeichnen, als wir heute darunter verstehen. So fängt Walther von der Vogelweide (ca. 1160 – 1227) ein Gedicht mit folgenden Worten an:

^ Ich hört ein wasser diessen

Und sach die vische fliessen.

In der Gegenwartssprache fließt nur das Wasser, bei Walther von der Vogelweide fließen auch die Fische, die im Deutsch von heute schwimmen. Schwimmen konntezu Walthers Zeit nur ein Mensch oder ein Schiff, überhaupt etwas, was die Oberfläche des Wassers bricht. Was sich ganz im Wasser befand, das vloss, wenn es sich selbst bewegen konnte, wenn es nur dahintrieb, so schwebte es. In der Gegenwartssprache dagegen kann etwas nur in der Luft schweben, nicht im Wasser, vgl. ein Adler schwebt hoch in der Luft. Die Verben fließen, schwimmen, schweben sind also heute wie damals vorhanden, aber sie waren ehemals auf andere Sachverhalte bezogen.

Auch in der Gegenwart beobachten wir einige Bedetungsveränderungen der Wörter, die z.B. im Zusammenhang mit Veränderung im gesellschaftlichen Leben aufgekommen sind. So hat das Wort ^ Kollege (im 16 Jh. aus dem lat. collega „Amtsgenosse“ übernommen, ursprünglich nur für höchste Beamten, später für Fachkollegen aus akademischen Bereichen geläufig) in der DDR eine Neubedeutung entwickelt: „Angehöriger einer Gemeinschaft von Werktätigen“, vgl. die Kollegen von der Straßenreinigung; der Kollege Werkleiter wird an der Aussprache der Brigademitglieder teilnemen; viele von Ihnen werden jetzt an den Wettbewerb der Kollegen Kraftfahrer denken („Frau von heute“, 1953); dazu Kollegin. In dieser Neubedeutung fand Kollege eine allgemeine Verbreitung als Anredeform auf dem Lande unter LPG-Bauern, was auch in der schöngeistigen Gegenwartsliteratur eine Widerspiegelung findet. So schießt z.B. ein Feldbaubrigadier seine Rede in der LPC-Versammlung mit den Worten: Das ist alles, Kollegen. Oder aus dem Gespräch der Gemeindesekräterin mit dem neuen Bürgermeister:

^ Wenn ich mir eine Bemerkung gestatten darf: Hier im Dorf sagen die Leute meistens Kollege oder nur den Vornamen.

Es wären ferner zahlreiche Bedeutungsentwicklungen zu nennen, die den Bedeutungsumfang eines Lexems oder seine Bedeutungsstruktur erweitern. Das geschieht, indem dasselbe Formativ zur Bezeichnung eines neuen Sachverhalts ausgewertet wird. So war z.B. „Rohr“ ursprünglich nur der „Rohrstengel als Gewächs“ (Schilfrohr), dann das „abgeschnittene, für den Gebrauch hergerichtete Stück“ (Spazierstock, Pfeifenrohr), und schließlich bezeichnet das Wort rohrförmige, zylindrische Hohlkörper aus anderen Stoffen für den technischen Gebrauch (Schusswaffe, Sehrohr u.a.).

Die Erweiterung des Bedeutungsgefüges eines Lexems geschieht vielfach, indem dasselbe Formativ zur Bezeichnung nicht nur neuer Sachverhalte verwendet wird, sondern auch zur Schaffung expressiver, stilistisch markierter Synonyme zu den nestehenden Lexemen. Sie sind wertenden, meistens abwertenden Charakters. So ist Huhn nicht nur Bezeichnung einer Geflügelart, sondern auch die eines Menschen, vgl. salopp: er ist ein dummes, verdrehtes, verrücktes Huhn. Lappen ist nicht nur ein Stück Stoff; Fetzen (zum Waschen, Wischen, Polieren usw.), sondern eine umgangssprachliche Bezeichnung für Geldschein: er blätterte einige Lappen auf den Tisch. Waschlappen ist „ein feiger, energieloser, charaketerschwacher, weichlicher Mensch“.

Der Bedeutungswandel kann also zur Wortschatzerweiterung führen. Das Wort ist ein linguistisches Zeichen, das mehrere Bedeutungen bzw. Semem oder lexisch-semantische Varianten haben kann. Es kann damit eine neue Bedeutung bzw. lexisch-semantische Variante entwickeln, ohne die alte aufzugeben.


VORLESUNG 5

Thema: Die linguistische Landeskunde aus synchronischer Sicht


  1. Der soziokulturelle Wortschatz (SKW) im Fach „LL“.

  2. Entstehung des soziokulturellen Wortschatzes in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.


Das Lernziel im Fach „LL“ besteht heute nicht mehr nur in der Aneigung sprachlicher und kommunikativer Kompetenz, sondern auch im Erwerb der Fähigkeiten, sich in der fremden Kultur zu orientieren und sich in einer interkulturellen Situation sprachlich adäquat zu verhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es tiefgreifender Einsichten in die soziokulturelle Wirklichkeit und Geschichte des Zielsprachenlandes.

Geht man von der These aus, daß die Sprache ein bestimmtes Weltbild verkörpert, so sind Sprache und Kultur im weiteren Sinne als Phänomene zu betrachten, die sich nur in ihrer Wechselbeziehung ergründen lassen. Denn die Sprache erscheint einerseits durch ihre kumulative Funktion als Speicher und durch ihre kommunikative Funktion als Vermittler soziokultureller Inhalte. Andererseits verhilft die Kenntnis soziokultureller Daten den Lernern zum besseren Verständnis sprachlicher Erscheinungen. Zu diesen gehört in erster Linie die lexikalische Semantik mit ihren einzelsprachspezifischen Strukturierungen wie Wortbedeutung, Polysemie, synonymische Reihen, lexikalisch-semantische Felder und lexikalische Kombinierbarkeit. Darüber hinaus kann man über nationale Spezifika im Hinblick auf Verbalisierungsstrategien und sprachliche Varietäten, also unter stilistischem, pragmatischem, soziolinguistischem, textlinguistischem oder kognitivem Aspekt, sprechen.

Für das Ausbildungskonzept im Fach „LL“ ergibt sich aus dieser Erkenntnis die logische Folgerung, daß Linguistik und Landeskunde nicht als eigenständige, vom sprachpraktischen Unterricht abgesonderte Säulen verstanden werden dürfen. Ihre Aufgabe besteht vielmehr darin, einander unterstützend und bereichernd „den theoretischen Rahmen“ bereitzustellen „in dem die Studierenden ihre praktischen Kenntnisse, Lern- und später Lehrerfahrungen richtig einordnen und je nach Bedarf erweitern können“ (R.Hessky). Besondere Bedeutung kommt dabei dem Teil des Sprachsystems zu, in dem sich landeskundliche und linguistische Perspektiven kreuzen. Er wird von der linguistischen Landeskunde und von der Übersetzungswissenschaft erforscht und ist in der Fachliteratur als landeskundlich orientierte Lexik, als Lexik mit nationalkulturellen oder ethnospezifischen Bedeutungskomponenten bzw. als soziokultureller Wortschatz bekannt.

^ Entstehung des soziokulturellen Wortschatzes (SKW).

Der SKW ist im Wesentlichen durch sein nationales und historisches Kolorit gekennzeichnet. Die bezeichneten Inhalte sind national – bzw. landesspezifisch und vertreten bestimmte Zeitperioden. Folglich bildet der SKW keine feste Größe: Neue Begriffe finden Eingang, andere hingegen veralten und werden zu Archaismen.

Die Aufnahme neuer Begriffe in den SKW wird besonders durch politische und gesellschaftliche Veränderungen angeregt. Im Dritten Reich bestand beispielsweise die Tendenz, Teile des germanischen Wortguts wieder zu beleben. So wurden weibliche Reichsarbeitsdienstleistende „Arbeitsmaid“ genannt, wobei jeder Buchstabe des Grundwortes eine der Tugenden der deutschen Frau symbolisierte: Mut, Aufopferung. Idealismus, Demut. Dadurch wurde das verhaltete Wort „Maid“ mit neuem Inhalt erfüllt.

Einen Bedeutungswandel anderer Art zeigen die Wörter „abfedern/soziale Abfederung“ und „abwickeln/Abwicklung“. Sie sind mehrdeutig und nur in einer Bedeutungskomponente soziokulturell markiert.Für das Wort „abfedern“ wird in Wörterbüchern nur die Bedeutung „einen Stoß durch Federung abfangen“ angegeben. Als „verbales Kind der deutschen Vereinigung“ hat es als Metapher euphemistischer Prägung eine zusätzliche Bedeutung erhalten und verspricht eine „weiche Landung“ bei „wirtschaftlichen Turbulenzen“. Das Wort wurde zum Sammelbegriff, der inhaltlich präzisiert werden muss. Die „Abwicklung“ als „ordnungsgemäße, schrittweise Abfertigung“ wurde um die Bedeutung „Schließung“, „Liquidation“, „Entlassung“ erweitert. Es entstanden zahlreiche Ableitungen und Zusammensetzungen, die sogar – was früher nicht der Fall war – auf Personen bezogen werden können, so etwa im Titel eines Beitrags von Köhler „Vom Abwickler, der kein Abwickler sein will“. Beide Begriffe haben somit ihre soziokulturelle Relevanz infolge einer Bedeutungserweiterung erlangt, die sich auf typische Merkmale der wirtschaftlichen Situation am Ostdeutschland der ersten Nachwendejahre bezieht. Mit Veränderungen der politischen und gesellschaftlichen Realität verlieren auch sprachliche Einheiten des SKW an Aktualität, verschwinden aus dem Sprachgebrauch und werden zu Historismen und Archaismen. Ein krasses Beispiel aus der jüngsten Geschichte bilden die sogenannten Nach-Wende-Archaismen wie“LPG“, „NVA“, „Jugendfreund“ u.a.m. Sie bezeichnen Realien aus der Ex-DDR. Für wissenschaftliche Zwecke und in der Sprachausbildung bleiben sie trotzdem von Bedeutung, denn sie sind Visitenkarten einer bestimmten Epoche und kommen in zahlreichen Texten und literarischen Werken vor. Außerdem ist zu beobachten, daß sie häufig wieder belebt werden.

So erscheinen in der Jugendprache einige Abkürzungen aus DDR-Zeiten mit neuer Bedeutung und neuer stilistischer Färbung:

KWV (kommunale Wohnungsverwaltung) – „kaputt, wüst, verrottet!“; PGH (Produktionsgenossenschaft Handwerk) – „Pech gehabt“.

Der Ausdruckswert dieser neuen Prägungen ist - ungeachtet ihres allgemeingültigen Inhalts – dadurch zu erklären, daß sie als Sprachspiele an die Ausgangswörter gebunden sind. Ein gutes Beispiel für die permanente Modifikation von SKW stellt der Gebrauch des Spottnamens der Deutschen „der deutsche Michel“ dar. Dieser Name wurde im 16. Jahrhundert von dem Publizisten Sebastian Franck in der abwertenden Bedeutung „einfältig-naiver Mensch“ geprägt. Im Zusammenhang mit den Ereignissen von 1848 hat er einen Bedeutungszuwachs erfahren. „Michel“ ist jetzt der „weltfremde, unpolitische, schlafmützige Deutsche“, wie eine Textstelle aus Heinrich Heines Gedicht „Michel nach dem März“zeigt:

^ Derweil der Michel geduldig und gut

Begann zu schlafen und schnarchen

Und wieder erwachte unter der Hut

Von vierunddreißig Monarchen“.

Im 20. Jahrhundert ist der Name in etwas modifizierter Form als allegorische Gestalt eines Vertreters des Ohne-mich-Standpunktes anzutreffen, „des Herrn Ohnemichel, der keinen Gemeinsinn hat“. Konkrete Inhaltek der Ohnemichel-Kampagnen sind wiederum zeitgebunden. Um das Jahr 1950 hat man mit Hinweis, auf den Koreakrieg die Anhänger des Pazifismus, Neutralismus und der Ohne-mich-Bewegung als „Ohnemichels“ verhöhnt. Vierzig Jahre später, in den Wochen des Golfkrieges, wurde „die Haltung der Deutschen (selbst)kritisch mit „Drückeberger“ und „Ohne-Michel“ gekennzeichnet“.

Seit der Vereinigung Deutschlands, die jedoch die Spaltung der Nation durch die „Mauer in den Köpfen“ und „die Mauer der Sprache“ noch nicht beseitigen konnte, ist die Rede von zwei Michels: „Michel arm“ (Michel Ost), Fremder im eigenen Land, und „Michel reich“ (Michel West), der Ober-Deutsche, stehen sich – als Opfer, Besiegter und Verlierer der Einheit bzw. als Sieger – gegenüber“.

1997 endlich wird der wiedervereinigte „deutsche Doppelmichel“ in einer Karikatur festgehalten. Sie zeigt das neue Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen, das während der Hochwasserkatastrophe an der Oder und der gemeinsamen Rettungsaktionen entstanden ist: „Endlich schwitzt zusammen, was zusammengehört“. Diese Bildunterschrift ist als Anspielung auf eine Äußerung Willy Brandts im Herbst 1989 zu verstehen: „Jetzt wachse zusammen, was zusammengehöre“, die in der politischen Diskussion zum geflügelten Wort und gleichzeitig zum Anlass vieler Abwandlungen – meist im verneinenden Sinne – geworden ist.

Insgesamt lässt sich für den SKW die Tendenz nachweisen, daß sein Umfang und seine Verwendungshäufigkeit in gesellschaflich bedeutsamen bzw. kritischen Perioden und an Wendepunkten nationalhistorischer Entwicklung zunehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei Begriffe, die besonders geeignet sind, eine bestimmte politische oder soziale Situation auf den Punkt zu bringen.Sie bilden oftmals zahlreiche Synonyme und lexisch-semantische Felder mit komplizierter Struktur und werden zu Schlüsselwörtern, die geeignet sind, „ein Problem auf den Begriff“ zu bringen. Sie sind „Stichwörter der geistigen Situation der Zeit“ und drücken ihr den sprachlichen Stempel auf. Sie „leben in Handels- und Kommunikationszusammenhängen“, „ziehen Kreise, haben Nachbarn, Gegenwörter, Konkurrenten“.

Eine solche Spitzenstellung in der Nach-Wende-Zeit haben „Ossi“ und „Wessi“ eingenommen, die neben der denotativen Bedeutungskomponente die Befindlichkeiten der Ost- und Westdeutschen sowie ihre Urteile und gegenseitigen Vorurteile zum Ausdruck bringen. „Ossi“ und „Wessi“ Beherrschen nicht nur seit nunmehr über zehn Jahren die Szene, sondern treten auch in zahlreichen Zusammensetzungen, Wortverbindungen und Redensarten auf, die ihren konnotativen Gehalt verdeutlichen und erweitern.

„Ossi“ – armer Ossi; doffer Ossi; hilfloser, wehleidiger, lahmer hinterwäldlerischer Ossi; rüde Ossis; Ossi, diese Lachnummer (1991); bekennender Ossi (1993); Ossi zum Anfassen (1997); der neue Ossi (1998); Jammer-, Bieder-, Erz-, Halb-, Original-, Show-, Super-, Vorzeige-, Besser-ossi (1992); Hochglanz-, Zitterossi (1994), Ost-Ossi (1997), Ossiland (1991), Ossiwitz (1993), Ossigefühl (1995), Ossi-Kind (1997), Ossi-Aborigene (1998). Als besondere Prägungen sind „Ossa“ (1992), „Yessi“ (1994) und „das Ossi“ (1997) zu nennen. Daraus wird ersichtlich, daß sich der SKW den aktuellen Entwicklungstendenzen der Sprache nicht entziehen kann. Das Femininum „die Ossa“ spiegelt, wenn auch mit ironischem Beiklang, die Tendenz zum nichtsexistischen Sprachgebrauch wider, während „Yessi“ (young eastern survivor) – die Bezeichnung eines „smarten und egoistischen“ Ostlers, dessen Ziel die „Enrichtung der Wohnung ohne DDR-Erinnerung“ und dessen Statussymbole BMW und Mobiltelefon sind – als Beispiel für die Amerikanisierung der deutschen Sprache gewertet werden kann.

„Wessi“ – Besserwessi (das Wort des Jahres 1991), Angeberwessi (1991); Dünkelwessi (1993); West-Wessi, Verständniswessi (1997); Wessi-Arroganz, Wessi-Brille, Wessi-Helfer (1991); Anti-Wessi-Stimmung, Anti-Wessi-Vorurtel (1993); Wessiphobie (1995); Wessi-Witz (1997).

In der Semantik dieser sprachlichen Einheiten zeigt sich die Asymmetrie in der Lage alten und neuen Bundesbürger des wiedervereinigten Deutschlands („Ossi-Wessi-Schieflage“), in ihr finden die typischen „Ossi-Wessi-Reaktionsmuster“ ihren Niederschlag. Nicht umsonst wurde das anzüglich und kränkend wirkende „Ossi“ vielfach als Unwort abgelehnt.

Neben den sprachlichen Manifestationen der deutsch-deutschen Probleme und Konfrontationen finden sich auch solche, die „Vokabeln des Zusammenwachsens“ genannt werden können: Außer dem schon vorgestellten „Doppelmichel“ (1997) gehören dazu „Gesamti“ (1991), „Gesamtdeutsche“ (1995), „Nordis“, „Osswessi“ (1992) und das weiter verbreitete „Wossi“ (1991), das würdigend für einen Wessi gebraucht wird, der in Ostdeutschland Fuß gefasst hat und von den Ostdeutschen im Gegensatz zum „Westimport“ akzeptiert wird. Aus der westlichen Perspektive wurde „Transwessit“ als Bezeichnung des anpassungsbereiten „neuen Ossis“ „bis zu seiner vollständigen Verwestlichung“ gebildet.

P.S. Die Beispiele sind dem GfdS-Band „Wörter der Jahre 1985-1995“ oder den entsprechenden Jahresbeiträgen aus dem „Sprachdienst“ entnommen.


VORLESUNG 6

Thema: Die linguistische Landeskunde aus synchronischer Sicht (Vortsetzung)


  1. Bedeutungskonstitution des soziokulturellen Wortschatzes.

  2. Historisches Hintergrundwissen beim Verständnis des soziokulturellen Wortschatzes.


Traditionell werden sprachliche Einheiten der Zielkultur, welche in der Ausgangskultur keine oder nur teilweise Entsprechungen haben, in äquivalentlose Lexik, konnotierte Lexik und Hintergrundlexik eingeteilt. Diese Einteilung hilft die nationalkulturellen Besonderheiten des einen Landes von dem eines anderen abzugrenzen. Bei der Bestimmung der semantischen Struktur des SKW unterscheidet man zwischen dem lexikalischen Begriff und dem lexikalischen Hintergrund. Die SKW-Einheiten, meist Realienwörter, deren nationalkulturelle Spezifik auf der begrifflichen Ebene liegt – z.B.: „DDR“, „BRD“, „Berliner Mauer“, „Montagsdemonstration“ – werden äquivalentlose Lexik genannt und als Kern des ganzen Korpus betrachtet. Sprachliche Einheiten, die fremdsprachige Äquivalente haben und sich davon nicht durch die begriffliche Bedeutungskomponente sondern auch durch sekundäre, den Begriff begleitende Inhalte, also durch den Lexikalischen Hintergrund, unterscheiden – etwa „Gymnasium“, „Lehrling“ und „ Mensa“ – zählen zur Hintergrundlexik. Wörter und Wendungen mit gleichem denotativen, aber unterschiedlichem konnotativen Gehalt fallen in die Kategorie der konnotierten Lexik. So kann das Wort „Quark“ in der deutschen Sprache negativ konnotiert sein, während es im Russischen immer neutral ist. Bestimmte Eigenschaften werden in beiden Sprachen mit verschiedenen Tieren assoziiert, z.B. „Rabenmutter“ und „зозуля” (“Kuckuck“). Aus dieser Einteilung allein lässt sich jedoch der didaktische Wert der SKW-Einheiten nicht immer bestimmen, zumal die Grenzen zwischen den Kategorien fließend sind. Was die äquivalentloseLexik angeht, so sind Realienwörter mit konnotativer Bedeutungskomponente bzw. mit reichem assoziativen Gehalt (Konnotationen im engeren und weiteren Sinne) von besonderem Wert. Beispielsweise enthalten das Anthroponym „Ludwig II.“ und die Namen der Königsschlösser „Neuschwanstein“, „Linderhof“ und „Herrenchiemsee“ emotionalwertende Obertöne, die mit der Persönlichkeit des Lieblingskönigs der Bayern und mit dem Ruf der in Bayern zu Kultstätten gewordenen Schlösser verbunden sind. Auch das Wort „Trabi“ verfügt im heutigen Deutsch über eine ausgeprägte soziokulturelle Komponente, die weit über die Bezeichnung des typischen DDR-Autos hinausgeht. Als „DDRmobil“ berühmt und wegen starker Luftverschmutzung berüchtigt, aus dem Alltag weitgehend verschwunden und durch das Denkmal in Chemnitz verewigt, stellt es – für die einen verfemt, für die anderen als Kultauto aufgewertet – ein Symbol der vergangenen Epoche dar: „Der Trabi ist tot, es lebe der Trabi!“

Die Spezifik vieler SKW-Einheiten (wie die Analyse des Wortschatzes des Dritten Reiches zeigt) besteht nicht in ihrer gegenständlichen Bedeutung, sondern in der sie durchdringenden emotionalen Atmosphäre sowie in der magischen Funktion, die ihnen oblag. Das verdeutlicht er am Beispiel der Wörter „Siegfriede“ und „Siegerfriede“. Sie sind einander zwar äußerlich sehr ähnlich, hatten jedoch vollkommen unterschiedliche Bedeutungen: „Frieden durch den Sieg Deutschlands“ das erste, „Frieden nach dem Sieg der Alliierten“ das zweite. Diese Bedeutungsunterschiede sind nur unter Berücksichtigung des historischen Hintergrunds verständlich. Auf landeskundlichen Hintergrundkenntnissen beruht auch das Verständnis zahlreicher expressiver und sprachökonomischer Wendungen sekundärer Nomination, in denen der soziokulturelle Inhalt periphrasiert oder metaphorisiert und durch die innere Form präsentiert wird. Da landeskundliche Hintergrundkenntnisse von besonderer Natur sind, d.h. kein vollständiges und hierarchisch geordnetes System darstellen, sondern in Form von lokalen Assoziationen existieren, können soziokulturell relevante Erscheinungen aus beliebiger Sicht nach unterschiedlichen Kriterien charakterisiert werden. Dazu einige Beispiele:

Eine Bescheinigung, die die Unschuld einer Person belegt, wird nach dem Waschmittel Persil als „Persilschein“ bezeichnet: Sie wäscht die betreffende Person weiß. Entstanden ist der Begriff im Zusammenhang mit der Entnazifizierung Deutschlands durch die Besatzungsmächte nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie ist mittlerweile in den Wortschatz der Standardsprache eingegangen. Auch andere Beispiele können in diese Kategorie eingeordnet werden. So bekam der Besoldungszuschlag für deutsche Beamte, die in die fünf neuen Bundesländer versetzt wurden, die bildliche und durch das Bestimmungswort des Determinativkompositums reich konnotierte Bezeichnung „Buschzulage“ („Busch“ – dichter tropischer Wald, Dschungel).

Das bemerkenswerte Verb „gaucken“ – „sich gaucken lassen“ wurde vom Namen des Leiters der Behörde zur Überprüfung der Unterlagen des DDR-Staatssicherheitsdienstes, Joachim Gauck, abgeleitet.

Das in der inneren Form fixierte Merkmal verleiht der sprachlichen Einheit neben der inhaltlichen (sprachexternen) soziokulturellen Relevanz zusätlich eine sprachinterne soziokulturelle Relevanz. Sie beruht auf der spezifischen Darstellung des außersprachlichen Inhatls, die sich von Sprache zu Sprache aufgrung nationalkultureller Motivierungen unterscheidet. So wird im Deutschen seit 1997 Misserfolg, „Schwanken und Ins-Schleudern-Kommen“ des Gegners häufig als „Elchtest“ bezeichnet: „Er hat den Elchtest nicht bestanden“. Diese Formulierung geht auf einen öffentlichen Skandal in der Mercedes-Benz AG zurück, der dadurch entstanden ist, dass ein neuer Wagen des Unternehmens, die A-Klasse, einen international standardisierten Fahrzeug-Sicherheitstest, den sogenannten Elchtest, nicht bestanden hat. Nach deutlicher tritt sprachinterne soziokulturelle Relevanz hervor, wenn der sekundären Nomination eine SKW-Einheit zugrunde liegt. Solche Bildungen zeichnen sich dadurch aus, daß sie, ohne ihren Status als SKW-Einheiten zu verlieren, nicht nur nationalspezifische, sondern auch allgemeingültige Inhate bezeichnen können. Ein Beispiel dafür ist der Sozialkasper“ (1993), ein Begriff zur Verballhornung von Sozialarbeitern. So kann die nationale Spezifik sowohl auf der inhaltlichen als auch auf der formalen Ebene zutage treten. Hier lassen sich folgende Nominationsmuster feststellen:

  1. Zur Bezeichnung neuer soziokultureller Sachverhalte wird im Sprachsystem bereits vorhandene Lexik mit nationalkultureller Komponente wieder aufgegriffen und aktualisiert, z.B.: „der moderne Gauck-Persilschein“ oder „Neugründerjahre“ – ein Begriff, in dem die wirtschaftliche Situation in Ostdeutschland Anfang der neunziger Jahre mit der Zeit des scheinbaren wirtschaftlichen Aufschwungs von 1870-1873 verglichen wird.

  2. Neue Wörter entstehen als Analogiebildungen in Anlehnung an bekannte Lexeme: „Entstasifizierung“ zu Entnazifizierung, „entDDResieren“ zu entnazifizieren, „Berliner Republik“ zu Weimarer Republik.

  3. Es gibt Einmalbildungen, die den Charakter von Wortspielen haben, z.B.: das 1993 vom Schauspieler und Kabarettisten Uwe Steimle geprägte Wort „Ostalgie“ für die DDR-Nostalgie der Ostdeutschen und für ihre wieder erwachte Sehnsucht nach Ostprodukten: „Ostschrippe – richtige Schrippe“.

In diese Kategorie fallen auch Anspielungen auf den Namen des ehemaligen Bundeskanzlers in Demonstrationen 1991: „Wir lassen uns nicht verkohlen!“, „Arbeit statt Kohllaps!“ (Kollaps), die Verballhornungen des faschistischen Jargons, z.B.: die in Victor Klemperers Tagebüchern fixierte Transformation der Abkürzung von „Luftschutzraum – LSR“ in „Lernt schnell Russisch!“ sowie Abwandlungen von stehenden Verbindungen und festgeprägten Sätzen. Beispielsweise wurde die berühmte Parole der Wende „Wir sind ein Volk“, die den Höhepunkt des nationalen Bewustseins und des Willens zur Vereinigung der Nation dokumentierte, in der Folgezeit, als die „Wir-sind-ein-Volk-Euphorie“ verflogen war, mehrmals transformiert. Die verlorenen Illusionen fanden ihren Ausdruck etwa in dem ungrammatischen Satz des Jahres 1994: „Wir sind zwei Volk“.

Zu den SKW werden auch die allgemein gebräuchlichen Schlüsselwörter gerechnet, die bestimmte Etappen in der Entwicklung einer Gesellschaft charakterisieren. Soziokulturell aufschlussreich sind dabei die Besonderheiten des Gebrauchs und Bedeutungsmodifizierungen. Dazu exemplarisch ein Beispiel für viele. Das politische Wort „Klasse“ wurde in der BRD zusammen mit den anderen Einheiten des Klassenkampfvokabulars seit 1950 stigmatisiert, gängig war die Vokabel „Sozialpartner“. 1991 taucht „Klasse“ mit der Verschärfung der wirtschaftlichen Situation in Ostdeutschland wieder auf. Während in den Medien die SED-Funktionäre als „first-class-Genossen der klassenlosen Gesellschaft“ angeprangert werden, „sehen sich viele in den östlichen Ländern in einer neuen „Zweiklassengesellschaft“, einem neuen „Zweiklassensystem“.

Unbestritten ist, daß der SKW große Verständnisschwierigkeiten in sich bergen kann. Aus der didaktischen Perspektive heraus stellt sich die Frage, welche Bestandteile des SKW für die erfolgreiche interkulturelle Kommunikation und die Rezeption verschiedener Texte unentbehrlich sind. Bei der Auswahl der SKW-Einheiten ist das historische Prinzip wichtig. Die zukünftigen Fremdsprachenphilologen sollten mit dem Sprachgebrauch der wichtigen Epochen bekannt gemacht werden: Für die deutsche Sprache des 20. Jahrhunderts sind das der Sprachgebrauch im Dritten Reich, die Sprache des geteilten Deutschlands sowie der Sprachgebrauch der Wende- und Nachwendezeit. Dabei ist dem aktuellen SKW Vorrang zu geben, weil er nicht immer oder erst nach Ablauf einer bestimmten Zeit in den Wörterbüchern fixiert wird. Da es kaum möglich sein dürfte, den gesamten SKW einer Epoche zu vermitteln, sollte darauf geachtet werden, die jeweiligen Schlüsselwörter auszuwählen und den Studierenden daneben ausreichendes historisches Hintergrundwissen an die Hand zu geben, um sie in die Lage zu versetzen, sich ihnen unbekannte Wörter im Kontext selbständig erschließen zu können. Dazu sind Kurse wie Landeskunde und Soziolinguistik besonders gut geeignet.

Bei der Wahl des SKW für den Unterricht müssen zudem seine strukturell-semantischen und stilistischen Besonderheiten berücksichtigt werden. Wörter, freie Wortverbindungen und idiomatische Wendungen des SKW können im Fach Lexikologie behandelt werden, wo sie einerseits zur Veranschaulichung semantischer Gesetzmäßigkeiten dienen, und die Studierenden andererseits mit den Besonderheiten des SKW aus semasiologischer und onomasiologischer Sicht bekannt gemacht werden. Zu diesem Korpus gehören unter anderem Sprichwörter, Slogans und Aphorismen, die in ihrer Gesamtbedeutung, in der Bedeutung einzelner Komponenten oder auf der formalen Ebene nationalkulturell geprägt sind, z.B.: „Nix Ossi, nix Wessi – Wir sind alle Nordis!“ – Slogan der Gewerkschaft in Mecklenburg-Vorpommern.

„Die Kleinen hängt man, die Großen läst man laufen“ – Sprichwort des Jahres 1992 im Zusammenhang mit der Debatte um den Honecker-Prozess.

Oft erscheinen bekannte Aussprüche in einer sprachspielerisch-modifizierten Form. Die neue Aussage gewinnt dadurch zwar an Expressivität, kann jedoch nur im Zusammenhang mit dem „Muster“ dekodiert werden: „Jetzt wäscht zusammen, was zusammengehört“ – Werbung des ersten gesamtdeutschen Waschmittels. „Deutschland eilig Vaterland; Deutschland einig Mutterland?; Deutschland einig Autoland! – Anspielungen auf ein Zitat aus DDR-Nationalhymne: „Deutschland, einig Vaterland: Dieses Zitat wird je nach Bedarf abgewandelt, um die Unzufriedenheit mit politischen Entscheidungen zum Ausdruck zu bringen, hier mit dem zu schnellen Gang der Wiedervereinigung, mit der unzulänglichen Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen und mit der rasanten Zunahme der Verkehrsdichte in den neuen Bundesländern. Diese Beispiele bieten aktuellen Stoff für Stilistik und Textinterpretation.
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СПИСОК ЛІТЕРАТУРИ





  1. Кудіна О.Ф. Країни, де говорять німецькою: Навч. Посібник з лінгвокраїнознавства. – Вінниця: Нова книга, 2002.

  2. Овчинникова А.В., Овчинников А.Ф. Deutschland im Überlick.О Германии вкратце. – М.: Лист, 1998.

  3. Степанова М.Д., Чернышева И.И. Лексикология современного немецкого языка: Учебн. (для ин-тов и фак. иностр. яз.). - М.: Высшая школа, 1975.

  4. Tatsachen über Deutschland. Societäts Verlag, Frankfurt/Main, 1996.

  5. Mezers Jugendlexikon, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1978.

  6. Большой немецко-русский словарь: В 3 т. Авт.-сост. Е.И.Лепинг, Н.П.Страхова и др. / Под общ. рук. О.И.Москальской. – 7-е изд., стереотип. – М.: Рус. яз., 2001.







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